46 Erich Opitz.
gehen sich heute vollständig erübrigt. Statistiken mancher Opera- teure, z. B. von Zweifel, zeigen ja auch, daß noch so ausge- dehnte Schutzmaßregeln an den Operationserfolgen nichts ändern können. Ja es scheint fast, als wenn eine ausgedehnte Verwendung von Gummi wieder Schädigungen im Gefolge hätte.
Viel wichtiger erscheinen mir zwei andere Gesichtspunkte. Erstens einmal der, die Kranken zur Operation in der Weise vor- zubereiten, daß sie sich möglichst auf der Höhe des für sie erreich- baren Kräftezustandes und der Gesundheit befinden. Zweitens eine Verfeinerung der Technik in dem Sinne, daß grobe Verletzungen und Schädigungen der Gewebe nach Möglichkeit vermieden werden, daß man nur scharf geschnittene Wunden setzt, Massenligaturen vermeidet und eine Schädigung aller Organe, die nicht unmittelbar mit der Operation zu tun haben, peinlichst vermeidet. Auch die Nachbehandlung der Operierten ist von großer Bedeutung.
Was den ersten Punkt betrifft, so scheint mir die Pflege des Darmes von großer Wichtigkeit. Ich bin von dem starken Ab- führen mit Rizinus, ausgenommen die Fälle von totalem Dammriss, vollständig abgekommen. Ein starkes Abführen ist untrennbar verbunden mit Reizungen im Darm, unter deren Einfluß die Bakterien- flora in ungünstigem Sinne eine Veränderung erfährt. Da der Dünndarm sowieso im allgemeinen keinen die Operation störenden Inhalt zu bergen pflegt, kommt es auch hauptsächlich auf die Ent- leerung des Dickdarmes vor der Operation an. Diese läßt sich mit Reinigungsklysmen ebenso ausreichend erzielen, wie mit starken Abführmitteln, ohne doch deren Schädlichkeiten zu besitzen. Die Kranken werden also lediglich am Tage und am Morgen vor der Operation mit Klysmen behandelt. Wo wegen chronischer Ver- stopfung eine gründlichere Darmentleerung mit Abführmitteln von oben nötig ist, wird zZwischen dem Abführtag und dem Operations- tag mindestens noch 1 Tag eingeschaltet, in dem der Darm LZeit hat, sich zu beruhigen. Da es nach meiner Meinung, für die ich freilich Beweise zunächst nicht erbringen kann, für den günstigen Verlauf der Operation sehr wesentlich auf die Beschaffenheit des Darminhaltes ankommt, so suche ich durch Verabreichung geeig- neter Nahrungsmittel, wozu am besten die Yoghurtmilch verwendbar ist, die Bakterienflora und damit die Zersetzungsvorgänge im Darm in günstigem Sinne zu beeinflussen. Wichtig erscheint es mir auch, daß die Patienten nicht ausgehungert zur Operation kommen. Sie


