Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 25
bis zu 24 Stunden nach der Entbindung sah, eine gute Verklebung der Dammwunde, und zwar genau den natürlichen Verhältnissen entsprechend, zeigten. Es sind das solche Einrisse, die bei Spontan- entbindungen entstanden waren und ausschließlich das Dammgewebe, nicht aber auch Fasern der Musculi puborectales betrafen. In der ersten Zeit habe ich diese Verklebungen immer getrennt und an ihre Stelle eine Naht gesetzt. Nachdem ich mich aber mehrfach überzeugt hatte, daß die Verklebungen durchaus in einer den natür- lichen Verhältnissen entsprechenden Weise zustande gekommen waren, habe ich später eine ganze Reihe derartiger Risse ungenäht gelassen. Ich habe mich bei der Entlassung der Wöchnerinnen überzeugen können, daß eine tadellose Verheilung zustande gekommen war.
Die Technik der Dammnaht, wie wir sie üben, ist viel- leicht nicht ohne Interesse. Wir legen, wenn die Puborektales an dem Dammriß beteiligt sind, diese Muskel einigermaßen frei und vernähen die Risse isoliert mit Katgut. Sind die Muskelränder nicht sicht- und fühlbar, so wird ohne Mitfassen der Haut das Gewebe den natürlichen Verhältnissen entsprechend zusammengezogen. Dieses Nähen ist für die Frauen fast vollständig schmerzlos, so daß wir von einer Narkose zum Zweck der Dammnaht in letzter Zeit stets Abstand nehmen konnten. Die Haut wird darüber mit v. Herff- schen Klammern vereinigt, die bis zum 6. Tage liegen bleiben. Wir haben mit dieser Methode des Dammverschlusses ganz ausgezeichnete Erfolge erzielt. Von seltenen Ausnahmen abgesehen, heilt die Wunde primär und zwar so, daß man eine Narbe nur bei allergenauester Betrachtung später entdecken kann. Auch bei den kompletten Damm- rissen, von denen sich fünf ereignet haben, hat sich diese anatomische Nahtmethode ganz ausgezeichnet bewährt. Es wird erst mit feinen Katgutnähten der Riß im Darm vereinigt, dann durch besondere Naht der durchrissene Sphinkter zusammengezogen. Nun erst wird wie beim Dammriß zweiten Grades die Dammwunde subkutan ge- näht und die Haut mit Klammern verschlossen. Während im all- gemeinen die Dammrisse dritten Grades bei frischer Naht sehr ge- ringe Neigung zur Heilung zeigen, sind von den fünf kompletten Dammrissen bei uns drei primär geheilt.
Ueber die übrigen Operationen gibt die Tabelle genügend Aus- kunft. Nur möchte ich bezüglich der manuellen Placentalösung, die 24 mal vorgenommen werden mußte, bemerken, daß sie nur auf allerstrengste Anzeige hin geschieht. Es ist unerläßliche Vorschrift,


