24 Erich Opitz. freigebiger gewesen sein. Auch spielt die große Anzahl der Privat- patientinnen eine gewisse Rolle dabei, weil bei diesen sehr viel häufiger als bei arbeitenden Frauen die Kräfte vor Beendigung der Geburt erlahmen. Ich möchte dabei bemerken, daß wir die bekannte Leopoldsche Aeußerung, die Zange sei die blutigste geburtshilf- liche Operation, nach unseren Erfahrungen durchaus nicht unter- schreiben können. Freilich sind unsere Zangen sämtlich keine so- genannten hohen Zangen, über die ich eigene größere Erfahrungen überhaupt nicht besitze. Die Mehrzahl der Zangenentbindungen be- zieht sich auf Fälle mit in der Beckenmitte, noch häufiger auf solche mit in dem Beckenausgang stehenden Kopf. In diesen Fällen wird — richtige Zangenanlegung vorausgesetzt— eine Gefährdung der Mutter durch stärkere Blutung, mit anderen Worten große Einrisse, nicht herbeigeführt. Wir benutzen hier in der Klinik ausschließlich das von mir angegebene Zangenmodell, das sich in 10 jähriger An- wendung ausgezeichnet bewährt hat. Die Vorzüge der Zange liegen darin, daß die Löffel an den kindlichen Kopf sehr gut passen, weil ihre Krümmung von Kindschädeln mit Hilfe von Umrißzeichnungen gewonnen worden ist. So kommt es auch, daß die Dammrisse bei den Zangenentbindungen verhältnismäßig nicht häufig sind, selbst nicht bei Erstgebärenden, worüber die Dissertation von Kloß nähere Auskunft gibt. Dieses Verhalten ist dadurch zu erklären, daß die Zangenlöffel nicht wie bei dem meist üblichen Nägeleschen Zangen- modell weit vom Kopf abstehen, sondern sich diesem fast voll- kommen genau anschließen. So wird eine starke Dehnung der hin- teren Scheidenwand, welche eine der Hauptursachen der Dammrisse bei Zangenentbindungen ist, fast vollständig vermieden. Daß trotz- dem die Zahl der Dammrisse nicht gering ist, 205 auf 1359 Geburten und dazu noch 5 komplette Dammrisse, findet seine Erklärung in der Tatsache, daß der Dammschutz vielfach von Hebammenschülerinnen und Studenten geleistet wird, die noch nicht über die genügende Erfahrung und Geschicklichkeit verfügen.
Bezüglich der Versorgung der Dammrisse möchte ich erwähnen, daß wir grundsätzlich, schon aus didaktischen Gründen, jeden Dammriß durch die Naht schließen, obwohl nach meiner im Wöchnerinnenasyl zu Düsseldorf gesammelten Erfahrung durchaus nicht jeder Dammriß zweiten Grades der Naht bedarf, um tadellos zu heilen. Ich habe dort die Beobachtung machen können, daß Wöchnerinnen mit Dammrissen, die ich häufig erst mehrere Stunden


