Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 19
kräfte tätig sind. Durch verschiedene Arbeiten von Jaschke und mir ist auf die große Bedeutung einer besonders sorgfältigen Be- handlung der Neugeborenen hingewiesen worden. Eine strenge Durchführung der Asepsis ist nur möglich, wenn die Neugeborenen nicht in dem gleichen Zimmer wie die Mütter untergebracht werden. Wir haben auch hier wie in Düsseldorf trotz mancher räumlichen Schwierigkeiten diese Einrichtung durchgeführt und können nach den Ergebnissen, die für die Neugeborenen dabei erzielt werden, diese Einrichtung nur empfehlen. Ohne sie ist eine genaue Kon- trolle der Neugeborenen überhaupt nicht möglich. Freilich erfordert diese Einrichtung viel Mühe und ein gewissenhaftes und ziemlich zahlreiches Personal, indessen machen sich diese Aufwendungen durch das viel bessere Gedeihen der Kinder bezahlt.
Der kurzen statistischen Aufzählung der in der Klinik erle- digten geburtshilflichen und gynäkologischen Fälle möchte ich einige Bemerkungen über die Grundsätze, die für die Behandlung der Gebärenden und Wöchnerinnen sowie der gynäko- logischen Kranken für uns maßgebend sind, vorausschicken.
Wir treiben in der Klinik mit großer Sorgfalt die Noninfek- tion, d. h. wir schützen unsere Finger nach Möglichkeit vor jeder Berührung mit Infektionsstoffen. Wir benutzen deshalb zu allen gynäkologischen Untersuchungen, Verbandswechsel usw. sterile Gummihandschuhe, die trocken angezogen werden. Das erfordert zwar einen erheblichen Aufwand, aber wir haben dafür auch die Sicherheit, daß unsere Hände mit infektiösem Material überhaupt nicht in Berührung kommen und sind deshalb unserer Asepsis viel sicherer als es durch noch so gute Desinfektionsmethoden möglich ist. Der sehr beträchtliche Gummihandschuhverbrauch wird dadurch einigermaßen in Schranken gehalten, daß nur für Operationen neue und unbenutzte Gummihandschuhe gebraucht werden, während zu Untersuchungen und Verbandwechsel nur geflickte Handschuhe be- nutzt werden. Die Schwestern, welche die Behandlung der Gummi- handschuhe besorgen, haben eine große Fertigkeit im Flicken der Handschuhe erlangt und vermögen es, selbst abgerissene Finger und große andere Verletzungen der Handschuhe so zu beseitigen, daß in der Mehrzahl der Fälle ein vielfacher Gebrauch der Hand- schuhe möglich ist.
Was die geburtshilfliche Abteilung betrifft, so müssen die Schwangeren, wie das wohl überall üblich ist, sobald sie nicht durch


