Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 9
kurz fassen, zumal die Verdienste der weiteren Klinikdirektoren heute wohl noch allgemein bekannt sind.
Der erst vor kurzem verstorbene F. A. Kehrer folgte 1881 einem Rufe nach Heidelberg, wo er bis zu seinem Rücktritt(infolge eines Augenleidens) lehrte, sein Nachfolger in Gießen wurde Ahl- feld, der indes bereits 1883 einem Rufe nach Marburg Folge leistete.
Unter Ahlfeld wurde insofern eine wichtige Neuerung ein- geführt, als 1881 eine Anstaltsküche errichtet wurde, während bis dahin ein Gastwirt zu einem mäßigen Preis die Verpflegung der Kranken und Schwangeren, sowie Wöchnerinnen besorgt hatte- gewiß kein idealer Zustand. Ebenso wurde im Juli desselben Jahres die gynäkologische Klinik durch Hinzunahme der Direktor- wohnung erweitert und im Juli 1882 ein zweiter Assistent bewilligt.
Ahlfelds Nachfolger Kaltenbach wurde am 24. März 1883 ernannt. Diese Ernennung bedeutet in doppelter Hinsicht einen Wendepunkt in der Geschichte der Gießener Frauenklinik. Zunächst wurden unter Kaltenbach im Juli 1884 in den von Hebammen- kursen freien Monaten 3monatliche Kurse zur Ausbildung von Kranken- und Wochenpflegerinnen eingeführt; vor allem aber kommt mit ihm zum ersten Male ein Mann, der auch die operative Gynäko- logie betrieb. Kaltenbachs Verdienste um die operative Frauen- heilkunde sind so bekannt, daß es keines weiteren Hinweises bedarf. Jeder kennt noch sein mit seinem Lehrer A. Hegar herausgegebenes grundlegendes Werk über gynäkologische Operationen, welches lange Zeit überhaupt das einzige blieb. Daß dabei das alte Haus nicht nur bald zu klein wurde, sondern vor allem für eine operative Tätig- keit völlig unzulänglich eingerichtet war, ist leicht einzusehen. So war es denn auch Kaltenbach, der bei der Regierung den Neu- bau einer Klinik durchsetzte, der schließlich 1886 nach seinen Plänen genehmigt wurde.
Im August 1887 wurde mit dem Bau begonnen, Kaltenbach indes folgte noch im selben Jahre einem Ruf nach Halle. Auch sein Nachfolger Hofmeier sah nicht die Vollendung des Baues, da er bereits 1888 nach Würzburg übersiedelte. Erst unter dessen Nachfolger Löhlein(1888— 1901) wurde die neue Klinik am Seltersberg(28. Juli 1890) eröffnet. Damit vollzog sich gleichzeitig der Uebergang in die Verwaltung der Universität, während bis da- hin die Entbindungsanstalt unter der Verwaltung der Provinzial- direktion der Provinz Oberhessen gestanden hatte.


