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Man erinnert sich, daß gerade in den letzten 20 Jahren unter den immer größeren Anforderungen an technische Hilfsmittel, an Asepsis und allgemeine Bauhygiene auch im Krankenhausbau grund- legende Aenderungen notwendig wurden. Bereits Löhlein hatte, trotzdem er eine neue Klinik übernahm, über viele Mängel derselben zu klagen, unter denen neben viel überflüssigem Prunk- und Stuck- werk, einem ganz zwecklos palastartigen Treppenhaus vor allem die ungünstige Lage vieler Krankenzimmer wie der Mangel an wichtigen Nebenräumen sich bemerkbar machten.
Noch schwerer wurden diese Mängel natürlich von seinem jugendlichen Nachfolger Pfannenstiel(1902— 1906) empfunden, der aber eine Aenderung erst durchsetzen konnte, als er 1904 einen Ruf nach Freiburg als Nachfolger Hegars abgelehnt hatte. Da erst wurde der westliche Flügelbau bewilligt, durch den die Klinik in den Besitz eines modernen aseptischen und septischen Operations- saales, Kreißsaales, Sterilisierraums, einiger Nebenräume kam und eine dringend nötige Vermehrung der Krankenbetten erfuhr. Pfannenstiel hat freilich die Fertigstellung dieses Flügels nicht mehr erlebt, da er im Herbst 1906 einem Rufe nach Kiel folgte. Erst unter v. Franqués Direktion wurde dieser Ausbau fertig- gestellt, der frühere Operationssaal als Laboratorium freigemacht, womit in vieler Hinsicht der Betrieb erleichtert wurde.
Seit v. Franqués Weggang und Uebernahme der Klinik durch mich haben sich noch weitere Aenderungen als notwendig erwiesen.
Ich führe an die Einrichtung von Liegehallen an der Süd- seite des Hauptgebäudes, Einrichtung je eines septischen Operations- und Entbindungsraumes, eines Untersuchungszimmers für die operative Station, Waschräume für die Hausschwangeren, eines Zimmers als Wohnung für die Praktikanten. Letzteres erwies sich dadurch als notwendig, daß die Studenten nicht mehr zu den ein- zelnen Entbindungen gerufen werden, sondern für je 8 Tage in der Klinik wohnen müssen, um bei allen Entbindungen in dieser Zeit ständig zugegen sein zu können. Von mancherlei weiteren Anschaffungen wird weiter unten noch die Rede sein.
Ueber die Bewegung der Krankenbelegung und des Personals gibt die beigefügte Tabelle Auskunft, die die Zeit seit Belegung des Neubaues der Frauenklinik im Oktober 1890 umfaßt.
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