Erich Opitz.
1. den von der Fakultät gar nicht vorgeschlagenen Birnbaum als Leiter der Entbindungsanstalt sowie Lehrer für praktische Geburts-
hilfe, geburtshilfliche Klinik für Studenten, Hebammenunterricht und
v in Geburtshilfe;
1 Examinator bei der praktischen Vorprüfung
5 2. den tertio loco(neben Dohrn und Schultze) vorgeschla-
genen F. A. Kehrer, der bereits seit 1851 Assistenzarzt bei der akademischen geburtshilflichen Klinik war, für theoretische Geburts- hilfe und als Examinator in der medizinischen Schlußprüfung.
Unter Birnbaum erfuhr die Klinik wie der Unterricht eine wichtige Erweiterung. 1869 wurde der Hörsaal der Anstalt als gynäkologische Abteilung eingerichtet, ein neuer Hörsaal für 20 Per- sonen durch Umbau der Holzlege der Direktorwohnung gewonnen. Freilich war das alles nur Notbehelf; erst im Jahre 1871 wurde eine richtige gynäkologische Abteilung eingerichtet ¹).
Trotz dieser Vervollkommnung litt der geburtshilflich-gynäko- logische Unterricht natürlich unter der oben erwähnten Zweiteilung unter verschiedene Lehrer, zumal dem Vertreter der theoretischen Geburtshilfe(Kehrer) das Material der Entbindungsanstalt nicht zu Gebote stand. Wie lebhaft die dadurch hervorgerufenen Miß-
geht aus einem Fakultätsbericht
stände zum Teil empfunden wurden, g
vom 6. April 1872 hervor, in dem es wörtlich heißt:„Wir müssen schon oft von älteren Studirenden hören, daß ihnen die Mittel zu einem ausreichenden klinischen Unterricht in der Geburtshilfe hien nicht geboten gewesen seien und sie deshalb andere Lehranstalten hätten aufsuchen müssen.“
So war es entschieden zu begrüßen, als diese Zweiteilung auf- gegeben wurde. Ein Ruf Kehrers nach Zürich brachte den Stein ins Rollen. Senat und Fakultät beantragten daraufhin, Kehrer das Ordinariat zu übertragen, und schon am 27. April 1872 erfolgte seine Ernennung zum Ordinarius für Geburtshilfe und Direktor der Entbindungsanstalt mit der Verpflichtung, geburtshilfliche Klinik zu halten und Hebammenunterricht zu erteilen.— Der Extraordinarius Prof. Birnbaum, ein vielbeschäftigter und beliebter Konsiliarius, trat ganz in die Praxis zurück, in welcher er noch 22 Jahre segens- reich wirkte, bis ihn 1894 ein Erysipel wegraffte.
. Ueber die weitere Geschichte der Frauenklinik können wir uns
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34, 129.
Berichte der oberhessischen Gesellschaft für Natur- und Heilkunde


