Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 7
Die Zahl der Hebammenschülerinnen betrug pro Kursus im Durchschnitt nur 20, schwankte in den Jahren 1850— 1863 von 9 bis 40. Im ganzen hatte Ritgen bis 1858 die stattliche Zahl von 1412 Hebammen ausgebildet. Später wurde die Zahl der Teil- nehmerinnen auf 30 beschränkt, um einer Ueberfüllung des Landes mit Hebammen vorzubeugen.
Auch die Geburtenzahl zeigt ein erfreuliches Wachstum, wohl
der beste Beweis für die Wertschätzung, der sich die neue Anstalt
g, erfreute. Sie betrug im Jahre
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1819). 10oH4, schwankte dann von
120— 130, erreichte 1835.... 168 und 1842 3 197
als Maximum, während die Durchschnittszahl seit 1840: 150— 160 Geburten im Jahre betrug. Man versteht gut, daß bei diesem für die doppelten Unterrichtserfordernisse noch recht kleinen Material und der großen Arbeitslast, die sonst auf v. Ritgens Schultern lag, er im Jahre 1861 beantragte, den Hebammenunterricht ganz nach Mainz zu verlegen und das Gießener Material lediglich dem Unterricht der Studenten vorzubehalten.
Von sonstigen Daten aus dem Leben der jungen Klinik seien noch kurz hervorgehoben eine Blatternepidemie 1840, der auch mehrere Schwangere zum Opfer fielen, die Einführung der Gas- beleuchtung(1856) und ein Brand(1859), der aber ohne schwerere Folgen blieb.
Es ist hier nicht der Ort, auf eine Würdigung der wissen- schaftlichen Arbeit des ganz außergewöhnlich vielseitigen v. Ritgen mich weiter einzulassen. In der Geschichte der Gießener Frauen- klinik wird er, als ihr erster Direktor und als Mann voll unermüd- licher Tatkraft sowohl im Ausbau der Einrichtungen derselben wie als Organisator des geburtshilflichen Unterrichts unserer Universität fortleben.
Als Ritgen am 14. April 1867 starb, entstanden fast begreif- liche Schwierigkeiten, diese Lücke zu füllen. Schließlich wurde das Ministerium derselben in der Weise Herr, daß man das Ordinariat für Geburtshilfe vorläufig unbesetzt ließ und zwei Extraordinarien mit je 600 fl. Gehalt anstellte:


