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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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6 Erich Opitz.

Anstalt eröffnet werden konnte(Dauer 2 Monate), in dem die Heb- ammenschülerinnen der Provinz Oberhessen ausgebildet wurden ¹). Von 1825 ab wurden jährlich zwei Kurse abgehalten, 1842 ihre Dauer auf 3 Monate, 1864 auf 4 Monate verlängert²), wie das in Mainz von Anfang an üblich war. In Gießen aber hatte diese Beschränkung ihre großen Vorteile, da alternierend mit den Heb- ammen die Studenten unterrichtet werden mußten. Ritgens un- sterbliches Verdienst ist es zweifellos, mit dem bloß theoretischen Unterricht sowohl für Hebammen als für Studenten aufgeräumt zu haben, wie er denn in seinen genau ausgearbeiteten Unterrichts- plänen ³) auf die praktische Beobachtung von Geburten, Ausarbeitung genauer Geburtsberichte, Schwangerenuntersuchung usw., kurz auf großen Wert legte. Ebenso

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Lernen auf Grund eigener Beobachtung? sammelte Ritgen Präparate und Becken, die er später(1836) der Frauenklinik schenkte.

Ich möchte auf die Verdienste Ritgens um den Ausbau des Hebammenunterrichtes um so weniger eingehen, als diese Seite seiner Tätigkeit bereits von Prof. Walther¹⁴) gewürdigt wurde. Man kann sich von Ritgens Arbettslast eine Vorstellung machen, wenn man erfährt, daß der ganze Unterricht neben seinen vielen sonstigen Aufgaben von ihm allein bewältigt werden mußte, bis ihm endlich (1821) ein Assistent bewilligt wurde. Daneben oblag ihm die Direktion der chirurgischen Klinik, von der Ritgen erst am

Februar 1836 Lneneu freilich gleichzeitig eine andere Pro- fessur dafür eintauschend(cf. oben), wonach er sich um die Errich- tung einer Tnneeneeden und den Unterricht in der Psychiatrie große Verdienste erwarb).

Der jährliche Etat der Klinik betrug 1839 3000 fl., die nicht aus dem Venternegehen Fiskus, Vlrn aus der Staatskasse stammten.

Ueber die Zahl der Entbindungen und die Unterrichtsfrequenz liegen eigene Angaben Ritgens vor, die ich den Akten der medi-

zinischen Fakultät entnehme.

Für die Provinzen Starkenburg und Rheinhessen bestand bereits seit dem Jahre 1806 eine Ausbildungsanstalt in Mainz, in der die Kurse 4 Monate dauerten.

²) Amtsblatt vom 16. Dezember 1864

) Cf. Jahrbücher der Entbindungsanstalt S. 12 f.

4) H. Walther, Gyn. Rundschau 1914, Heft 21. 35) Cf. näheres bei R. Sommer l. c.