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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 5

dagen, die bisher von den Professoren Balser und Schmidt beauf- sichtigt war; im Januar des nächsten Jahres wurden verschiedene wichtige Nebengebäude und eine Direktorwohnung genehmigt. Nach diesen mehr äußerlichen Veränderungen ging Ritgen an die Ausgestaltung des Unterrichts, worüber in seinen Berichten und Jahrbüchern der Entbindungsanstalt ¹) Ausführliches mitgeteilt ist.

Hier sei davon nur erwähnt, daß in dem Gebäude ein Entbindungs- und ein Wöchnerinnenzimmer, ein Untersuchungszimmer, ein Sprech- zimmer, ein Hörsaal, drei größere und vier kleinere Räume für gesunde Schwangere, zwei kleine Zimmer für kranke Schwangere und zwei Säle für die Hebammenschülerinnen sich befanden. Alles übrige fällt auf die übrigens sehr spärlichen Nebenräume für die Oberhebamme, Wärterinnen, Küche. Im ganzen verfügte die Klinik über 44 Betten.

Mehr als dürftig mutet uns heute der geburtshilfliche Apparat an, der bestand aus

Geburtsbett, Wage mit Meßtisch, Beckenphantom von Pappe,

1 1 1 1 Kinderphantom, 1 großen und 1 kleinen Spritze, 1 Katheter und 1 Schere, wozu noch mehrere Geburtsstühle der bekannten, damals gebräuchlichen Form und schließlich ein sogenannterTouchierschrank kamen. Letzterer war dazu bestimmt, bei der Untersuchung der Schwangeren den Anstand zu wahren und die Schwangere mit Ausnahme des Genitales dem Aublick der Studenten zu entziehen. Die Schwangeren traten aus einem Nebenzimmer hinter einen Vorhang und wurden im Stehen untersucht.

In Ritgens eigenem Besitz kam dazu noch eine Zange sowie Leib- und Kopfzirkel.

Zunächst wendete sich Ritgen der Ausgestaltung des Heb-

ammenunterrichtes zu, der bis dahin wie übrigens auch der Unter- richt für die Studenten ein rein theoretischer war und von den

Physicis erteilt wurde. Immerhin dauerte es noch bis 1816, ehe Ritgen seinen Vorschlägen für den Ausbau der Klinik die nötigen Mittel gesichert hatte und der erste Hebammenkmursus in der neuen

¹) Ritgen, Jahrbücher der Entbindungsanstalt zu Gießen. Gießen 1820.