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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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4 Erich Opitz.

nöchst zu seiner weiteren Ausbildung auf Reisen zu gehen. 1812 wurde er außerdem Medizinalrat und Mitglied des Regierungskollegs im Fürsten- tum Hessen und hielt im August desselben Jahres seine Antrittsrede-. Als die Anstalt Kriegslazarett wurde, erwarb sich Hegar um die Organi- sation des Lazarettwesens große Verdienste, fiel aber am 12. Februar 1814 selbst als Opfer der Kriegsseuche, so daß es ihm nicht mehr vergönnt war, die Entbindungsanstalt selbst zu leiten ¹).

Trotz mehrfacher Bitten wurde das Gebäude der Entbindungs- hau erst im Oktober 1814 als Kriegslazarett geräumt und am November 1814 durch Aufnahme der ersten Schwan- geren eröffnet, ehe noch der innere Ausbau ganz vollendet war. Ihr Direktor war nach Hegars frühem Tode der ebenfalls noch jugendliche Ferdinand August Maria Franz Ritgen geworden Ritgen war 1787 in Wulfen in Westfalen geboren, studierte in Münster, promovierte mit 19 Jahren in Gießen, wurde mit 21 Jahren Pbysikus in Stadthagen, habilitierte sich 1814 für Geburtshilfe in Gießen und wurde gleich nach Hegars Tode zu dessen Nachfolger als Professor der Chirurgie und Geburtshilfe ernannt. Außerdem erhielt er das Re- ferat in Medizinalangelegenheiten bei der Provinzialregierung und später auch das im Baufach, sowie die Funktion eines Stadtarmenarates. 1837 gab Ritgen die Professur für Chirurgie auf, übernahm aber gleich- zeitig die Professur für medizinische Polizei und Seelenheilkunde ²). 1839 wurde Ritgen in den erblichen Adelstand erhoben. Trotz seiner umfassenden Tätigkeit auf den verschiedensten Gebieten blieb er seiner geburtshilflichen Tätigkeit bis zu seinem im Jahre 1867 erfolgten

Tode treu.

Ritgen widmete sich mit großem Eifer der weiteren Aus- gestaltung der Entbindungsanstalt sowohl in Hinsicht auf Lehrmittel und Unterricht, der eigentlich erst von ihm organisiert wurde, wie auch in Hinsicht auf die Vergrößerung und zweckmäßige Ausstattung der Klinik. Seine organisatorische Begabung war jedenfalls gan⸗ glänzend. Ende 1815 wurde er auf seinen Antrag auch Direktor der Sammlung chirurgischer und geburtshilflicher Instrumente und Ban-

¹) Quellen: Haupt, Hessische Biographien, Gießen. Hessische Chronik 1913, Heft 3, Aufzeichnungen aus dem Tagebuch von Prof. Nebel. Ritgen, Jahrbücher der Entbindungsanstalt, Gießen 1820. Ferner hand- schriftliche Notizen, die freundlichst von Prof. Walther nach seinen persön- lichen Nachforschungen zur Verfügung gestellt wurden.

2) Cf. darüber näheres R. Sommer, Deutsche med. Wochenschr. 1907, Nr. 37.