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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt / von Erich Opitz
Entstehung
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Die Gießener Universitäts-Frauenklinik einst und jetzt. 3 de instrumentorum obstetriciorum hält. Hauptursache der Ver- zögerung waren auch jetzt einesteils die Schwierigkeit der Beschaf- fung eines geeigneten Gebäudes, anderseits Mangel an genügendem Kapital, um ein neues Gebäude zu errichten.

Das Jahr 1807 kann als ein Wendepunkt in dieser Angelegen- heit angesehen werden. Als die Festungswälle der Stadt nieder- gelegt wurden, wurde ein Stück derselben der Universität zur Er- richtung der Frauenklinik und des botanischen Gartens überlassen. An Kapital stand die Summe von 18 502 fl., auf die inzwischen das Stiftungskapital angewachsen war, zur Verfügung. Es wurden nun die am 27. April 1807 eingereichten Pläne von Prof. Balser, des verdienten späteren Medizinalreferenten bei der Regierung in Darm- stadt, nach Einholung verschiedener anderer Gutachten genehmigt 18. Oktober 1808) und das Frübjahr 1909 als Baubeginn festgesetzt.

Was neuerlich den Beginn des Baues verzögerte, ist aus den Akten nicht feststellbar. Wir wissen nur, daß infolge dieser Ver- zögerung im Zucht- und Stockhauszu Zeiten Uebungen in der Geburtshilfe vorgenommen wurden, unter Leitung des bereits er- nannten Direktors des Entbindungsinstitutes Prof. Schulz. Als dann endlich im März 1811 der Bau wirklich beginnen sollte, war die Generalkasse nicht imstande, die bei ihr angelegten Gelder auszu- zahlen. Da sprang aber, um neue Verzögerung zu verhüten, die Universität ein und stellte aus ihrem eigenen Vermögen 18 500 fl. zur Verfügung. Nun ging es flott voran und Anfang November 1813 war das Haus bis auf die Zwischenwände im ersten Stock und einige andere Lücken des inneren Ausbaues fertig.

Wir sind in der großen Zeit der Befreiungskriege, deren Schatten auch über die neue Anstalt fällt. Kaum war das Haus einigermaßen fertig, da wurde es nach der Völkerschlacht bei Leipzig als preußisch-russisches Kriegslazarett in Anspruch genommen, in dem leider alsbald(Ende November 1813) der Typhus contagiosus ausbrach, der viele Opfer forderte.

Unter den Opfern dieser Seuche befand sich auch der jugend- liche Direktor des Entbindungsinstitutes, Ludwig Leonhard Hegar, ein Verwandter des berühmten Alfred Hegar.

Hegar war 1789 in Darmstadt geboren und bereits am 21. De- zember 1811 nach Ablegung einer Prüfung vor dem Collegium medicum zum Professor der Chirurgie und Geburtshilfe sowie zum Direktor der Entbindungsanstalt ernannt worden, mit der gleichzeitigen Erlaubnis, zu-