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Ueber die Anfänge des Unterrichts in Tierheilkunde an der Universität Gießen (1777-1827) / von Wilhelm Schauder
Entstehung
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wohl entscheidend dafür, daß die Tiermedizin auch weiterhin nicht in Darmstadt, sondern an der Universität Gießen eine Pflegstätte fand, und zwar, wie schon durch Nebel ange- bahnt und stets gefördert, in der medizinischen Fakmultät. Außerdem aber versuchte um die Jahrhundertwende der schon erwähnte Tierarzt Friedrich Pilger in Gießen Tierheil- kunde zu lehren, und zwar zunächst nicht in Verbindung mit der Universität. Pilger, 1761 in Wetzlar geboren, war seit 1793 Hessen-Darmstädtischer Trainoffizier, zuletzt Hauptmann, welchen Dienst er aufgab. In Gießen war er dann als Tierarzt tätig und erhielt als Fruchtkontrolleur, Bauschreiber, Wiesen- aufseher und Zehndenverwalter ein bescheidenes Entgelt. 1801 erbot sich Pilger, Leuten, die sich mit Viehkuren be- schäftigten, täglich etliche Stunden Unterricht in der Tier- arzneikunde zu erteilen. Sein Anerbieten wurde mit Dank angenommen. Indessen sollte sein guter Wille nicht so leicht in die Tat umgesetzt werden. Es meldeten sich zu vieleLehr- linge, als daß Pilger sie in seiner Wohnung unterweisen konnte. Deshalb ersuchte die Landesökonomiedeputation in Darmstadt die Universität um Nachricht, ob Pilger für seine Unterrichtszwecke ein geeigneter Raum in den Universitäts- gebäuden angewiesen werden könnte. Das Gesuch, ebenso seine Wiederholung von Anfang 1802 wurde nach Anhören der verschiedenen Fakultäten abgewiesen. Pilger hat jedoch privatim für seine ungenügend vorgebildeten Schüler ent- sprechend einfachen Unterricht in Tierheilkunde unentgeltlich gehalten, war aber nicht als Lehrer an der Universität Gießen angestellt. Im September 1802 wurde ihm durch ein Reskript des Kriegskollegiums die Führung des Hauptmann- titels, der ihm bis dahin nach Aufgabe seines Militärdienstes noch belassen worden war, untersagt, weil er sich für seine jetzige Stelle nicht schicke. Er sah es als eine Entehrung an, da er seinem Offizierscharakter nie Schande gemacht habe, und bat, ihm den Hauptmannstitel zu lassen. Dem wurde nicht stattgegeben, aber anscheinend als Ersatz dafür wurde ihm der Titel eines Professors verliehen, denn eine Urkunde vom 27. 9. 1802 lautet:Nachdem von Gottes Gnaden Wir L u d- wig X., Landgraf zu Hessen... dem bisherigen Hauptmann Friedr. Pilger zu Gießen den Charakter eines Professors der Thier-Arzneykunst Kraft Dieses gnädigst beigelegt haben, So ist sich darnach unterthänigst zu achten und denselben männiglich für Unseren Professor der Thier-Arzneykunst zu achten. Kaum hatte man in Gießen durch Pilger von seiner bevorstehenden Ernennung zum Professor erfahren, erhoben die Universitätsprofessoren sofort Protest dagegen, vor allem wegen Pilgers Ruf alsAventurier. Doch seine Er- nennung zum Professor war erfolgt und wurde nicht zurück-