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seine Ansichten bekämpften. Die Gespräche mit ihm würzte ein herzerquickender Humor, der niemals boshaft wurde, den ihm auch die schweren Erlebnisse seines Alters nicht rauben konnten. Mit gutem Humor trug er sogar die großen Unbequem- lichkeiten, die mit der fortschreitenden Abnahme seines Seh- vermögens verbunden waren. Konnte er doch in den letzten Jahren nur mit Hülfe von starken Vergrößerungsgläsern lesen und das kleine Feld, das er so überblicken konnte, schrumpfte immer mehr zusammen. Er ließ sich zwar vorlesen, aber er klagte doch, daß er bei wissenschaftlichen Entwickelungen immer das eine über dem andern vergesse. Es ist begreiflich, daß er unter diesen Umständen oft das Bedürfnis hatte, unter Menschen zu sein und ein Gespräch über wissenschaftliche Fragen oder über die Ereignisse des Tages zu führen. Sein
gar nicht gelitten, sondern war bis
zuletzt von bemerkenswerter Schärfe. Er freute sich daher
Gehör hatte zum Glück
über jeden, der ihn aufsuchte, und kam jederzeit gern, wenn er von einer befreundeten Familie geladen wurde. Auch ver- sammelte er noch zuweilen einen größeren Kreis von Be— kannlen bei sich. Die wissenschaftliche Arbeit ließ er selbst in den letzten Jahren nie ganz ruhen, obgleich die Schwierig-
keiten, die ihn dabei hinderten, fast unüberwindlich schienen.
So schwer sein Leben auch in den letzten Jahren war: Pasch hat das Alles mannhaft ertragen. Die geistige Frische ist ihm bis ins höchste Alter ungeschwächt verblieben. Er hat sein Tagewerk vollendet, wie es wenigen vergönnt 18t. Bei allen, die ihm näher getreten sind, hat er sich ein dankbares Andenken gesichert. Aber auch dann, wenn wir alle, die ihm befreundet waren, nicht mehr sind, wird sein Name nicht ver- gessen sein, sondern in der Geschichte seiner Wissenschaft fortleben.
Eine Würdigung seiner wissenschaftlichen Leistungen ist die Aufgabe, der der zweite Teil unsrer heutigen Gedächlnis- feier gewidmet sein soll. Hören wir, was Herr Kollege Dehn aus Frankfurt a. M. uns darüber zu sagen hat.
Friedrich Engel.


