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Moritz Pasch : Zwei Gedenkreden, gehalten am 24. Jan. 1931 / von Friedrich Engel und Max Dehn
Entstehung
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gaben, denn es handelte sich des öfteren um Neubearbeitung der Prüfungsordnung. Er erwähnt selbst, daß diese Art von Arbeiten große Verwandtschaft mit den Aufgaben hat, die er sich als Mathematiker stellte, der lückenlosen Darstellung aller Schlüsse und der Ermittelung aller erforderlichen Axiome.

Um sich mehr seinen wissenschaftlichen Arbeiten widmen zu können, legte Pasch den Vorsitz der Prüfungskommission nieder, aber er fand bald, daß die dadurch bewirkte Ent- lastung nicht ausreichte. So ließ er sich denn 1911, nach fast Ar jähriger Lehrtätigkeit, pensionieren. Das hatte damals in Hessen noch die Folge, daß er überhaupt auf jede Lehrtätigkeit verzichten mußste und auch an den Geschäften von Fakultät und Senat nicht mehr teilnehmen konnte. Als später für die Professoren auch in Hessen die sogenannte Emeritierung ein- geführt wurde, die diese Beschränkungen nicht mit sich bringt, da erhielt er wieder Einladungen zu den Fakultäts- und Senats- sitzungen. Leider verblieb es für seine Person bei der Pen- sionierung, denn deren nachträgliche Umwandlung in Emeri- tierung wurde zwar von der Universität angeregt, war aber, selbst bei einem so verdienten Manne, etwas so Undenkbares, daß sie gar nicht ernstlich in Erwägung gezogen wurde. Ober- aus gewissenhaft, wie er war, betrachtete er daher jene Ein- ladungen als nicht zu Recht bestehend und hat, soviel ich weißz, nicmals an einer solchen Sitzung teilgenommen.

Im Ruhestande war es ihm vergönnt, alle Gedenktage und Jubiläen zu erleben, die vorkommen können. Er feierte den 70., den 80., den 85. Geburtstag. Zum 70., am 8. November 1913, wurde ihm von seinen ehemaligen Schülern, von Freun- den und Verehrern die lebensgroße Plakette überreicht, die heute hier aufgestellt ist und die seit kurzem eine Zierde unseres mathematischen Seminars ist. Zum 80. wurde er von zwei Fakultäten zugleich, der einen in Frankfurt a. M., der andern in Freiburg i. Br., ehrenhalber zum Dr. phil. nat. ernannt. Er feierte das 50 jährige und das 60 jährige Doktorjubiläum, das 50 jährige als Dozent, als ao. und als ordentlicher Professor und zwar konnte er ja, was besonders bemerkenswert ist, an jedem der drei letzten Gedenktage auf fünf Jahrzehnte zu- rückblicken, die er ohne Unterbrechung an der Gießsener Hoch- schule zugebracht hatte. Nur das 60 jährige Dozentenjubiläum