Druckschrift 
Moritz Pasch : Zwei Gedenkreden, gehalten am 24. Jan. 1931 / von Friedrich Engel und Max Dehn
Entstehung
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Wir haben uns heute hier versammelt, um das Gedächtnis von Moritz Pasch zu feiern. In einer Beziehung hat Pasch wohl nicht seines Gleichen in der ganzen Geschichte der Universität Gießen, denn fast volle 60 Jahre hat er ununter- brochen unsrer Hochschule angehört. Auch die Stadt Gießen wird nicht viele Bürger aufzuweisen haben, die, von auswärts zugewandert, ihr so lange treu geblieben sind. Allen seinen Kollegen, die ihm näher getreten waren, kam es so vor, als ob man sich die Universität und die Stadt Gießen gar nicht ohne ihn denken könnte. Wieviele Kollegen hatte man im Laufe der Jahre kommen und wieder von Gießen scheiden sehen, wievielen hatte man das letzte Geleit gegeben, er, der länger hier war als sie alle, erschien als der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht. Zwar konnte man sich nicht ver- hehlen, daß er körperlich hinfälliger wurde, auch abgesehen von den Hemmungen, die ihm die immer mehr schwindende Sehkraft brachte; da er aber geistig noch so rege war, wie nur je, dachte man gar nicht ernstlich daran, daß auch er abberufen werden könnte, und es war eine recht wehmütige Oberraschung, als man hörte, daß er am 20. September 1930 in Homburg v. d. H., wo er Abwechselung und damit Er- holung gesucht hatte, entschlafen war. Er hatte zuletzt noch einige schwere Leidenstage durchzumachen gehabt, zum Glück nicht viele. Diese waren ihm durch die treue Pflegerin seiner letzten Jahre nach Möglichkeit erleichtert worden, aber niemand von seinen Angehörigen weilte an seinem Sterbelager und, nachdem er sechs Jahrzehnte in Gießen gelebt hatte, mußte er seinen letzten Kampf in fremder Umgebung ausfechten, nicht in den vertrauten Räumen seines Gießener Heims.

Kußerlich ist Paschs Leben sehr einfach verlaufen. Seit er am 29. November 1870 in Gießen Privatdozent geworden war, hat er seine Kraft nur unsrer Landeshochschule und seiner Wissenschaft gewidmet. Dagegen waren ihm allerdings im Familienkreise höchst schmerzliche Erfahrungen beschieden. Nachdem ihm die Gattin viel zu früh entrissen worden war, mußte er auch die beiden Töchter hergeben, die sehr glücklich