Die einzelnen Universitäten.
566
in Gießen 10 Jahre lang inne hatte, und der berühmte Lehrer des Wechselrechts Achilles Renaud(1820— 84), von 1848—52 Ordinarius der Gießener juristenfakultät, in Betracht. Unter den Juristen des letzten halben Jahrhunderts ragen hervor der Kriminalist, Rechts- historiker und langjährige Kanzler der Universität Joh. Michael Franz Birnbaum, in Gießen von 1840— 75, der in Wien kürzlich verstorbene Rechtshistoriker Heinrich Siegel, in Gießen von 1853—57, der Kriminalist Ad. Merkel, in Gießsen von 1858— 68, dann Hermann Seuffert(1836— 1902), ebenfalls Kriminalist, der ausgezeichnete Lehrer des Zivilrechts Ernst Wilh. Eberh. Eck(1838— 1901), beide freilich verhältnismäßsig nur kurze Zeit in Gießen wirksam, und als berühmtester von allen Rudolf v. Jhering(1318— 92), in dessen überaus erfolgreiche Gießener Lehrtätigkeit(1852— 68) die Abfassung seines Hauptwerkes „Geist des römischen Rechts“ fällt.
Unter den Nationalökonomen der Gießsener Universität ist der bedeutende Kameralist Joh. Aug. Schlettwein(1731— 1802) bereits oben erwähnt worden. Ihm an Bedeutung mindestens ebenbürtig war sein zweiter Nachfolger Friedr. Schmitthenner(1700— 1850), der von 1828 bis zu seinem Tode in Gießsen wirkte und von Staatsrechtslehrern und Nationalökonomen als scharfsinniger und selbständiger Denker noch heute hoch bewertet wird.
Als angesehene Lehrer der Medizinischen Fakultät wirkten in Gießsen der Anatom und Physiologe Theod. Ludw. Bischoff 1844—55, † in München 1882, der Chirurg Ad. Wernher(† 1883, in Gießen 1856— 78), Heinr. Bose ebenfalls Chirurg und Spezialschüler von Langenbeck(† 1900), der innere Kliniker Eugen Seitz, in Gießen bis 1872, † 18909, und endlich der Gynäkologe Herm. Löhlein seit 1888 1901).
Unter den Gießener Philologen ragen hervor die klassischen Philologen Ludw. Lange(1850— 71) und Ed. Lübbert(1865—74), der Germanist Friedr. Ludw. Karl Weigand(1840— 78) und der Vertreter der romanischen Sprachen Ludw. Lemcke(1867— 84). In Gießen dozierten ferner die Zoologen Karl Vogt(1847—50) und Rud. Leuckart (1850— 60), der Botaniker Herm. Hoffmann, in Gießen von 1842—91. Den Lehrstuhl der Forstwissenschaft zierten von 1824—34 Joh. Christ. Hundeshagen, unter dem die Forstschule 1831 mit der Universität vereinigt wurde, und Karl Heyer, der[835 Professor der Forstwissen- schaft wurde und 1856 in Gießen starb. Als Forschungsreisender weithin bekannt war Robert von Schlagintweit, der von 1863—85
Dozent an der Universität war. Aus der Zeit der Architekturabteilung


