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Die Großherzoglich Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen / M. Biermer
Entstehung
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564 Die einzelnen Universitäten.

mit sich, daſßs auch andere Anstalten zeitweilig oder dauernd mit der Landesuniversität organisch verbunden wurden, die anderswo als be- sondere Fachlehranstalten geführt wurden. So wird in Gießen seit 820 die Forstwissenschaft gelehrt mit mehreren Professuren, einem Forstinstitut und einem Forstgarten. Die Forstprofessoren gehören ebenso wie der Professor der Landwirtschaft, dem ein landwirtschaft- liches Institut und eine landwirtschaftliche Versuchsstation unterstellt sind, der philosophischen Fakultät an. Von 1837 1875 versah die Universität auch die Funktionen einer technischen Hochschule des Landes. Auch diese Professuren waren in der philosophischen Fakmultät eingegliedert, und gleichzeitig war Gießen in jener Zeit die erste deutsche Hochschule, in welcher die Techniker und Ingenieure mit technischen Hauptfächern ebenso die philosophische Doktorwürde er- werben konnten, wie bis heute die Forstleute in ihrem Fache. Es war also den Polytechnikern allein in Gießen im Gegensatz zum übrigen Deutschland die Möglichkeit der Promotion gegeben. Nach der Gründung der technischen Hochschule in Darmstadt(1877) schieden die betreffenden Fächer aus dem Gießener Lehrplane aus. Eine dritte Besonderheit Gießens ist die organische Verbindung der Universität mit dem Veterinärstudium. Die Tierarzneikunde war schon in der früherenOkonomischen Fakultät durch einen besonderen Lehrstuhl vertreten. Seit 1828 besteht dort das Veterinärstudium ununterbrochen, und Gießsen ist die einzige Hochschule Deutschlands, in welcher Tier- arzneistudenten zum Dr. med. vet. promoviert werden können. In den letzten Jahren sind die Lehrkräfte der Veterinärwissenschaft so erheblich vermehrt worden, daßs man eine besondere Abteilung der medizinischen Fakultät, dasVeterinär-medizinische Kollegium, schaffen konnte, und da gleichzeitig und zum Teil schon früher die Frequenz des veterinär-medizinischen Studiums rapide stieg, Stellte sich die Notwendigkeit heraus, sämtliche Institute dieses Faches zu vergrößsern und neu zu bauen.

Im übrigen ist Giefsen in dem letzten Jahrzehnt an Zuhörerzahl stark gewachsen und in erfolgreicher Weise aus der Zahl der kleineren in diejenige der mittleren deutschen Universitäten ein- gerückt.

Da es eine zuverlässige Universitätschronik nicht gibt, ist es auch nicht möglich, auch nur mit annähernder Vollständigkeit die wissen- schaftliche Entwicklung an der Universität darzustellen und die nam- haftesten Professoren, die an ihr gelehrt haben, lückenlos aufzuführen.

In den ersten Jahrhunderten überwiegen unter den berühmten Lehrern