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die Universität nach Schaffung eines eigenen Platzes und Erlangung einer eigenen Turnhalle streben. Das schliesst die durchaus not- wendige Zusammenarbeit mit den Turn- und Sportvereinen nicht aus.
6. Zur Durchführung dieser Gedanken ist es nötig. dass der Staat Mittel zur Verfügung stellt.(Die badische Regierung will für diese Zwecke 100 000 M. in den nächsten Jahreshaushalt einstellen.) Der Senat muss die Bereitstellung dieser Mittel beantragen. Es ist aber auch erwünscht, dass Studenten wie Dozenten Beiträge hierzu leisten.
Theoretischer Kurs.
Im Wintersemester 1919/20 wurde schon ein theoretischer Kurs über Turnen, Spiel und Sport gehalten. in dem von Fachvertretern über Anatomie, Physiologie, Hygiene, Psychophysik, Aesthetik, Ge- schichte und Kulturbedeutung der Leibesübungen vorgetragen wurde, sowie ein Kurs über orthopädisches Turnen. seine wissenschaftliche Begründung und seine praktische Ausführung, unter Einschluss der ersten Hilfe bei Unglücksfällen.
Der theoretische Kurs soll zunächst auf 2 Semester und später unter Einreihung des orthopädischen Turnkursus und Erweiterung durch Vorlesungen über Hautpflege auf 4 Semester ausgedehnt werden.
Praktische Uebungen.
Nebenbei ist den Studierenden Gelegenheit gegeben, Turnen, Spiel und Sport auch praktisch zu betreiben. Da die Universität noch keine eigene Turnhalle besitzt, wird für die Studenten an zwei Abenden der Woche von 8—10 Uhr die Turnhalle des Realgym- nasiums und für die Studentinnen an einem Abend die Turnhalle der Höheren Mädchenschule zur Verfügung gestellt. Ferner können sich die Studenten am turnerischen Fechten der Giessener Turn- vereine beteiligen. das einmal wöchentlich von 8—10 Uhr abends stattfindet.
Für Spiel und Sport war der Samstag nachmittag vorgesehen, wofür jetzt nach Beschluss der Dozentenversammlung auch der Mittwoch Nachmittag von 4 Uhr ab freigelassen wird. Der Sonntag wird zu Wanderungen in die schöne Umgebung von GCiessen benutzt und zugleich mit geologischen, forstwissenschaftlichen und geschicht- lichen Ausflügen verbunden. Schwimmen und Peiten konnten äusserer Umstände halber im Wintersemester nicht getrieben wer- den, da einmal die Schwimmhalle wegen Kohlenmangels geschlossen, andererseits der Betrieb des Reitinstitutes infolge von Neuordnung und Neuanstellung eines Stallmeisters unterbrochen war. Doch soll im Sommersemester sowohl das Reiten wie auch das Schwimmen und Rudern auf der Lahn wieder aufgenommen werden.
Beteiligung der Studentenschaft.—
Obwohl so von seiten der Dozenten der Frage der Leibes- übungen grosses Interesse entgegengebracht wurde, war die Be- teiligung der Studierenden an den theoretischen und praktischen Uebungen bisher nur gering. Ja, an den Wettbewerben beteiligten sich nur 0.5 Proz. der Studenten. während die Studentinnen mit 3 Proz. die Teilnehmerzahl ihrer männlichen Kollegen um das ô fache übertrafen.
Dieses wenig erfreuliche Resultat ist wohl in erster Linie darauf zurückzuführen, dass die Studenten durch den Krieg eine mehr oder


