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Zur Frage der Leibesübungen / von Prof. Dr. Huntemüller in Giessen
Entstehung
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umfasste, während für den Militärdienst nur die körperlich normal veranlagten herangezogen wurden. Nach Bier gilt es jetzt in erster Linie Lehrer für Leibesübungen zu erziehen, dann aber auch die Leibesübungen wissenschaftlich zu erforschen und zu betreiben, Aufgaben, die neben der in Berlin in Gründung begriffenen Hoch- schule für Leibesübungen besonders den Universitäten zufallen.

Vorschlag von Weitz.

Weitz(M.m. W. 1910 Nr. 51) will für jeden männlichen Deutschen einen Arbeitsdienst eingerichtet wissen, der auf min- destens 1 Jahr und zunächst, in den Zeiten der grossen Not, auf 2 Jahre festzusetzen wäre.

Die Rekruten müssten halbjährig ausgehoben werden. damit die Zahl der Ungelernten nicht zu gross würde., und sollten gegen geringe Besoldung zum Bau von Wohnungen für Kleinbauern und Arbeiter herangezogen werden. Nebenbei sollten auch, nach dem Vorgange von Bier, Leibesübungen getrieben werden, und die geistigen und ethischen Bedürfnisse durch Abhaltung von Kursen nach dem Muster der Volkshochschulkurse befriedigt werden.

Vorschlag von Pfister.

Ein dritter Vorschlag von Pfister(M.m. W. 1919 Nr. 51) geht dahin,

1. Die Erziehung der Jugend zur körperlichen Tüchtigkeit ganz in die Hände der Schulen zu legen.

2. Neben Turnen und Leichtathletik als Haupterziehungsmittel das Rugbyfussballspiel und ev. Krikett in den Schulplan einzuführen; dieser muss zugunsten der Leibesübungen wesentlich verändert werden. 3

3. Durch, geeignete Lehrer, Einrichtung von Spielplätzen, Ab- halten von Wettspielen, Aufstellen von Ehrenschildern mit Namen der Sieger, Verteilung von Preisen usw. die sportliche Erziehung in der Schule zu fördern.

4. Durch reges Interesse und grosszügige Einrichtungen für Körperkultur von seiten der Universitäten und Gemeéinden, den in der Schule erworbenen sportlichen Geist bei dem jungen Manne weiter zu pflegen und hochzuhalten.

Antrag Dominikus und Genossen.

Im gleichen Sinne ist auch von der deutsch-demokratischen Par- tei bei den Beratungen des Kultusetats in der preussischen Landes- versammlung ¹) folgender Antrag Dominikus u. Gen. gestellt worden:

Die verfassunggebende pr. Landesversammlung wolle be- Schliessen, die Staatsregierung zu ersuchen: der körperlichen Er- tüchtigung unserer Jugend bedeutend mehr Aufmerksamkeit und Pflege zuzuwenden als bisher. Hierfür scheinen uns die folgenden Richtlinien erforderlich:

1. Für beide Geschlechter sind als Mindestzeit für den Betrieb pflichtmässiger Leibesübungen zu fordern:

a) Für die Volksschulen und die höheren Lehranstalten ein-

schliesslich der Lehrerbildungsanstalten wöchentlich 3 Turnstunden

¹) Neuerdings wurde auch an den bayerischen Landtag ein dahin- gehender Antrag gestellt.