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Das Kloster seinen Gefallenen
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2. Dr. Albrecht Thaer.

Albrecht Wilhelm Adolf Thaer wurde am 13. April 1855 auf dem väterlichen Gute Rüdersdorf geboren. Er ver⸗ lebte die Kinderjahre auf dem Lande und in Berlin, kam da⸗ durch, daß ſein Vater als Profeſſor für Landwirtſchaft an die Univerſität berufen wurde, nach Gießen. Aus der Primaner⸗ zeit auf dem Gießener Gymnaſium ſtammte ſeine Freundſchaft mit manchem der ſpäteren Kloſterbrüder, insbeſondere die mit Körber.

Ein halbes Jahr nach dem Abiturium trat er im Herbſt 1873 als Einjähriger beim Inf.⸗Regt. 116 in Gießen ein; er iſt bis 1891 faſt jedes Jahr zu Uebungen dorthin zurückgekehrt. In der Blütezeit des Alten Kloſters war er eines der führenden Mitglieder, hat bis ins Alter ſich jener ſchönen Jahre gern er⸗ innert; ſie waren voll eifrigen Studiums, fröhlichen Studenten⸗ lebens und junger Liebe zu Emilie Fuhr, ſeiner ſpäteren Frau.

1878 promovierte er und beſtand die Lehramtsprüfung in Mathematik und Naturwiſſenſchaften, ging dann als Kandidat und Hilfslehrer nach Berlin, wurde 1880 am Friedrichsgymna⸗ ſium angeſtellt, heiratete im folgenden Jahr.

Schon 1891 wurde er als Direktor an die Städtiſche Real⸗ ſchule in Halle a. S., die er dann zur Oberrealſchule ausbaute, berufen. 1896 kam er nach Hamburg, war dort Leiter der Oberrealſchule vor dem Holſtentor bis zum Herbſt 1920. Die Erziehung ſeiner Schüler für das Leben, die Ausbildung der zahlreichen Kandidaten, die ſeiner Anſtalt zugewieſen wurden, zu tüchtigen Lehrern nahm den Hauptteil ſeiner Arbeitskraft in Anſpruch; und er hing mit ganzer Seele an ſeinem Beruf), Seine Schule galt als Muſteranſtalt nicht nur für Hamburg; ſein Name war im Kreiſe der Fachgenoſſen bekannt durch manche Veröffentlichung, durch vielbenutzte Lehrbücher. Die letzten Jahre vor dem Kriege war er Vorſitzender des Vereins zur Förderung des mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Unterrichts, Mit⸗ glied des Deutſchen Ausſchuſſes und der Internationalen Mathe⸗ matiſchen Unterrichtskommiſſion, hat auf Kongreſſen in Brüſſel, Cambridge und Paris Erfahrungen mit führenden Schulmän⸗ nern anderer Länder ausgetauſcht; er brachte manche freund⸗ liche Erinnerung aus der Fremde heim.

Als der Krieg ausbrach, ſtellte er, der ſeit 18 Jahren keine Uebung mehr gemacht, und der im 60. Lebensjahre ſtand, ſich ſoſort zur Verfügung; er hat den Krieg in allen Phaſen durch lebt. Als mit den ſchönſten Tag ſeines Lebens rechnete er den von Meretſch im September 1915, an dem er zuerſt ein Bataillon im ſiegreichen Gefecht führte; und faſt gebrochen hat ihn die Nacht im Januar 1917, in der er vergeblich verſuchte, die aus der Stellung an der kurländiſchen Aa zurückflutenden Truppen zum Stehen zu bringen.