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Das Kloster seinen Gefallenen
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über die Verdichtung von Gaſen dem alten Kaiſerpaar im Berliner Schloß hielt, dabei ſein, wobei er auch zu Tiſch be⸗ ſohlen wurde. 1880 erhielt Will die Leitung der analytiſchen Abteilung des Univerſitätslaboratoriums übertragen; in dieſer Stellung blieb er bis zum Jahre 1891. 1881 habilitierte er ſich als Privatdozent an der Berliner Univerſität; der Schwer⸗ punkt ſeiner Tätigkeit lag aber weniger auf dem Katheder als im Laboratorium, in dem er zahlreichen Chemikern die erſte praktiſche Ausbildung gegeben hat. In den Herbſtmonaten 1883 war es ihm vergönnt, mit einem Freund zuſammen eine Reiſe über Holland nach England zu machen, wohl verſehen mit Hofmannſchen Empfehlungen, die ihm alle Türen öffneten; denn Hofmann hatte 20 Jahre in England doziert und genoß dort höchſtes Anſehen. In England ſah Will viel Intereſſantes und Anregendes, das in ſein Fach ſchlug, und lernte bedeutende Perſönlichkeiten kennen. Er wurde zum Mitglied des Komitees der chem. Abteilung der Britiſch Aſſociation gemacht. 8 Jahre ſpäter war er wieder dort, dann als Vertreter der Deutſchen Chemiſchen Geſellſchaft bei einer Jubelfeier der Chemical So⸗ ciety of London. In ſeine Aſſiſtentenzeit fällt eine große Reihe wiſſenſchaftlicher Arbeiten. 1891 wurde Will an das Königl. Preuß. Kriegsminiſterium berufen mit dem Auftrag, ein Inſtitut für Unterſuchung von Sprengſtoffen zu errichten. Es erhielt ſpäter den NamenMilitärverſuchsamt und wurde für den Weltkrieg von großer Bedeutung. 8 Jahre blieb er in dieſer Tätigkeit, die nicht immer leicht war, da ſie Reibungsflächen mit allerlei Behörden bot. 1891 wurde Will zum außerordentl. Profeſſor an der Univerſität ernannt. Nach ſeiner Verheiratung im gleichen Jahre nahm Will ſeine Wohnung in der Grunewald⸗ Kolonie, wo er ſich in der Dunckerſtraße ein behagliches Land⸗ haus im Stil der heſſ. Bauernhäuſer inmitten hoher Kiefern errichten ließ. Der Garten hielt die Erinnerung an die Um⸗ gebung der geliebten Vaterſtadt wach, an den Schiffenberg, den Gleiberg uſw. Wie viele Kloſterbrüder wurden im Laufe der Jahre hier gaſtlich aufgenommen! In Jahre 1898 beſchloß eine große Anzahl der deutſchen Waffen⸗, Munitions⸗ und Sprengſtoff⸗Fabriken zur Förderung ihrer Intereſſen ein For⸗ ſchungsinſtitut zu errichten. Will übernahm die Einrichtung dieſes Inſtituts, das bei Neubabelsberg kurz vor Potsdam er⸗ richtet wurde. Zu dieſerZentralſtelle für wiſſenſchaftlich-tech⸗ niſche Unterſuchungen zu Neu⸗Babelsberg gehörte auch eine kleine Fabrik und ein Schießplatz bei Königswuſterhauſen, alles unter Wills Leitung. Dies Inſtitut wurde vorbildlich für ähn⸗ liche Anlagen im In- und Auslande. Wegen ſeiner Erfahrungen auf dem Sprengſtoffgebiet wurde Will von Staatsbehörden in zahlreiche Ehrenämter berufen; auch dem Kaiſerl. Patentamt hat er viel Zeit gewidmet. In Anerkennung für dieſe Tätig⸗ keit ernannte ihn 1904 der Handelsminiſter zum Geh. Regie⸗ rungsrat und die Techniſche Hochſchule in Charlottenburg ver⸗