Druckschrift 
Das Kloster seinen Gefallenen
Einzelbild herunterladen

sso u

.

185

U. S. A. als perſönlicher Aſſiſtent des Direktors Dr. C. A. Schenk bei. Dieſe amerikaniſche Forſtlehranſtalt begleitete er auf ihren weit ausgedehnten Studienreiſen, die ihn durch die verſchiedenen forſtlich intereſſanten Gebiete Deutſchlands und zweimal nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika führ⸗ ten. Im Nov.. 1912 verließ er dieſe Stelle, um eine ſtaatliche Verwendung als Forſtaſſiſtent der Großh. Bade⸗ und Kurver⸗ waltung in Bad⸗Nauheim anzutreten, wo er bis zum Aus⸗ bruch des Krieges tätig war. Im September 1910 hatte er ſich mit der Schweſter unſeres Kloſterbruders Boſſelmann, Frl. Guſtel Boſſelmann, in Darmſtadt vermählt.

Am 1. Auguſt 1914 trat Richard Kern als Leutnant d. L. I den Kriegsdienſt an. Nach kurzem Kommando in Butzbach und Gau⸗Biſchofsheim wurde er dem Reſ.⸗Inf.⸗Regt. 222 zugeteilt und rückte als Kompagnieführer mit ihm am 23. Oktober 1914 ins Feld. Bis Ende November kämpfte er in Nordfrankreich, dann wurde das Regiment nach dem Oſten abtransportiert und nahm an dem Vormarſch in Polen teil. Von Januar 1915 ſtand er mit dem Regiment in den Karpathen und hatte dort neben außerordentlich ſchweren und verluſtreichen Kämpfen bei furchtbarer Kälte und meterhohem Schnee die größten Stra⸗ pazen und Entbehrungen zu ertragen. Während der im Früh⸗ jahr 1915 einſetzenden großen Karpathen⸗Offenſive der Ruſſen wurde Richard Kern am 27. Mai, als er, inzwiſchen zum Ober⸗ leutnant befördert, das 3. Bataillon ſeines Regiments führte, bei Bania, ſüdlich Stryi, durch eine Schrapnellkugel am Kopfe verwundet. Am 31. Mai 1915 iſt er im Lazarett in Skole, wohin er kurz nach erfolgter Operation verbracht worden war, ſeiner Verwundung erlegen. Zunächſt auf dem Friedhof in Skole beigeſetzt, wurde er im Januar 1916 nach Darmſtadt überführt. Sein zweites Kind, ein Mädelchen, hat er nicht mehr ſehen ſollen. Sein Regimentskommandeur hat ihm fol⸗ genden Nachruf gewidmet:Wir alle trauern tief um den Tod dieſes lieben Kameraden. Er war ein vortrefkflicher, umſich⸗ tiger Offizier, der ſich in den ſchwierigſten Lagen glänzend be⸗ währte und mit ſeiner Ruhe für ſeine Untergebenen ſtets ein glänzendes Vorbild war. Seine Vorgeſetzten ſchätzten ihn alle hoch, ſeine Untergebenen gingen mit ihm gegen jeden Feind und ſeine Kameraden ſahen ihn alle gern und beklagen tief den Verluſt des Beſten unter ihnen. Ich ſpeziell habe mit ihm den tüchtigſten Frontoffizier verloren, dem ich die ſchwierigſten Aufgaben anvertrauen konnte, er iſt mir unerſetzlich. Dieſem Urteil des Kommandeurs werden alle Kloſterbrüder, die Richard Kern gekannt haben und ihm nähergeſtanden haben, voll und ganz beiſtimmen. Er war der prächtigſten Menſchen einer, zuverläſſig und treu in ſeiner Arbeit wie in ſeiner Freund⸗ ſchaft. Ein Menſch, deſſen Seele fleckenlos war, eine anima randida.