Druckschrift 
Das Kloster seinen Gefallenen
Einzelbild herunterladen

14

immer reicheren Entfaltung ſeiner Kräfte wuchs auch das Ver⸗ langen, ſie ungehemmt, zu eigenem Recht und eigener Pflicht, an verantwortlich leitender Stelle zu betätigen. Er fühlte ſich zum Führer und Herrn geboren, und er durfte es. Denn dem Wiſſen und Wollen geſellte ſich ein Können von ſeltener Stärke. Und weiter:In Wort und Tat ein Eigener, der niemandem Macht über ſich ließ. So gewann er ſich die Herzen der Men⸗ ſchen, und Geltung und Einfluß, Vertrauen und Liebe fielen ihm zu, wohin er kam. Als Vorgeſetzter durfte er viel ver⸗ langen, weil er ſich ſelbſt nicht ſchonte und auch dem Letzten ſeiner Untergebenen das Gefühl der Kameradſchaft entgegen⸗ brachte, immer bereit, ſich ſeiner anzunehmen und für ihn ein⸗ zutreten. Mit aufrichtiger Anhänglichkeit haben es ihm die Beamten, mit freudiger Hingabe ſeine Soldaten gedankt. Dann an einer anderen Stelle:Licht und Wärme gingen von ihm aus über viele. Es iſt ein wehmütig lohnender Gang, ihm nachzugehen durch die lange Reihe derer, die ihm naheſtanden. Jeden nahm er in ſeiner Art, und ſo verſtand er es, mit allen umzugehen. Kleinheit und Erbärmlichkeit, Selbſtſucht und alles Unedle waren ihm verhaßt, und hier gab's keine Nach⸗ ſicht auch für andere. Das aber war das Geheimnis ſeiner Macht über die Menſchen: Die Lauterkeit ſeines Wollens und Empfindens, die ſtrenge Zucht, und mit ihr die Herrſchaft über ſich ſelbſt. Ein hohes Gut war ſeine Freundſchaft. Markull ſchließt ſeine Gedenkſchrift mit den Worten, die uns aus dem Herzen geſchrieben ſind:In fremder Erde ruht, was an ihm ſterblich war. Wir aber tragen unſern Schmerz mit Stolz, denn er war unſer.

9. Richard Kern. rec. 19. XI. 1903.

Forſtaſſeſſor Richard Kern wurde am 6. Dezember 1883 in Darmſtadt geboren. Nach Abſolvierung des Ludwig⸗Georgs⸗ Gymnaſiums genügte er ſeiner einjährigen Militärpflicht bei dem Leibgarde⸗Inf.⸗Regt. 115 in Darmſtadt. Vom Sommer⸗ ſemeſter 1903 an widmete er ſich dem Studium der Forſtwiſſen⸗ ſchaft zuerſt in München, dann in Gießen. Nach im Frühjahr 1906 beſtandenem Referendarexamen war er als Forſtreferendar auf den Oberförſtereien Alsfeld, Lampertheim und Ober⸗Ram⸗ ſtadt tätig. Am 16. November 1908 beſtand er das Staats⸗ examen und wurde zum Großh. Heſſ. Forſtaſſeſſor ernannt. Nach vorübergehender Tätigkeit auf verſchiedenen Oberförſtereien und auf der Fürſtlich Stolberg⸗Wernigerodeſchen Oberförſterei Bendawitz bei Colonnowka in Oberſchleſien trat Richard Kern am 1. November 1909 der Biltmore⸗Foreſt School Biltmore