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Das Kloster seinen Gefallenen
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Hochgefühl in ſich aufſteigen, das Gefühl,nicht nur vor andren, nein, vor ſich ſelbſt ſeinen Mann geſtanden zu haben, daß er, der reife Mann, laut alle die Lieder ſingt, die deutſche Be⸗ geiſterung für Volk und Vaterland in Worte und Töne geſetzt haben, die Wacht am Rhein, Deutſchland über alles uſw., eines nach dem andren. So, ähnlich, haben ſie wohl alle einen Moment erlebt. Aber wir, die wir leben, wollen ihnen den Tod nicht neiden, ſondern uns dieſes Lebens als eines Geſchenkes, eines unverdienten, froh bewußt ſein; als einer Tatſache, die verpflichtet, die Aufgaben heiſcht von jedem von uns, von der Jugend zumal! Die Jungen und Jüngſten, denen dieſe Zeit, erſt ſo ungeheuer groß und jetzt ſo erbärmlich klein oft, ihr Leben prägt, ſie müſſen erkennen, daß ſie Aufgaben vor ſich haben, jede einzelne ausreichend, ein Menſchenleben auszufüllen. Und die Akademiker, die künftigen Führer des Volkes, des heute ſo irregeleiteten, vor Allem! Verſtehen wir unſre Aufgaben recht und verſuchen wir, ein jeder an ſeinem Platze, ſeine Pflicht zu tun, wie ſie unſre Toten getan haben!

Und ſo will ich mit einem Worte an unſre Aktivi⸗ tas, an die kommenden Generationen ſchließen: Auf der Kneipe, der Stätte frohſter, ungebundenſter Jugendluſt, hängt nun der Ehrenſchrein mit den Bildern unſrer Toten, den wir in Eure Hut geben. Sie, die einſt ſelbſt hier froh geweſen, ſchauen nun im Bilde auf Euch herab. Ein memento mori? Nein, ein memento vivere! Nicht ſoll der Gedanken an Tod und Vergänglichkeit Euch den Frohſinn rauben; wollte Gott, es herrſchte erſt wieder mehr echter Frohſinn auf der Welt, ſie wäre beſſer! Die kommende Zeit, einſt von Schwärmern das Jahrhundert des Kindes, ein ſpieleriſches, geheißen, wird, wenn nicht alle Zeichen trügen, ein eiſernes werden; ſie braucht, allen Pazifiſten, Feminiſten und Träumern zum Trotze, deren hohle Träume die Weltgeſchichte wie eine Feder in die Luft blaſen wird, ein eiſernes Geſchlecht. Unſre Jugend muß noch einmal, ſollen wir nicht an jeder Zukunft, an jeder Gerechtigkeit des Weltgeſchehens verzweifeln, auf den Plan treten; wer weiß, wann! Sie muß das neue Deutſchland wieder ehr⸗ lich machen, es herauspauken vor dem Konvent der Weltgeſchichte! Und dazu ſoll ihr, iſt erſt einmal die Jugend, die ſelber dabei geweſen, in's Philiſterium gegangen und wächſt die Generation heran, an der moderne Erziehung ſich verſündigt, das Vorbild unſrer Toten ſtets vor Augen ſtehen. Die Bilder der Toten ſollen ihr ſagen, daß der alte Wahrſpruch unſrer alma mater: litteris armisque ad utrumque parati, mit dem ſchon einmal ein Kloſterbruder beim 25⸗ jährigen Gedenken der Tage von 70/71 namens der Studenten⸗ ſchaft den Toten Treue gelobt hat, kein leeres Wort für Kommers⸗ begeiſterung iſt, daß er verpflichtet: die litterae im Leben und zum Leben, die arma zum Kampfe und, muß es ſein, noch einmal zum Sterben!

So, in dieſem Geiſte wollen wir unſrer Toten gedenken und ihr Gedächtnis heiligen. Und ſo können wir heute, nachher, morgen, nach alter Tradition, beim Klang der Becher und Lieder den Tag froh begehen, an dem unſer Bund vor 49 Jahren begründet. Unſre Toten werden unter uns leben!

Unſere Toten, ſie ſollen unter uns leben. Das Gedächtnis an jeden einzelnen von ihnen ſollen die nachfolgenden Lebens⸗ beſchreibungen wachhalten. Das Kloſter glaubt zum 50 jährigen Stiſtungsfeſte keine würdigere Gabe ſeinen Angehörigen dar⸗ bringen zu können.