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land geht. Und ſo darf, ſo ſoll ſich auch„durch unſre Totenklage das Heldenmotiv ſieghaft durchringen“. Wir dürfen und wir wollen, angeſichts unſrer Toten, ſtolz feſtſtellen, daß, nicht gerechnet diejenigen, die erſt nach ihrer Heimkehr aus dem Kriege zu uns gekommen ſind und die ja, die Jüngſten vielleicht aus⸗ genommen, wohl alle den feldgrauen Rock getragen haben, und abgeſehen von den Kl. Br., die nur in der Heimat militäriſche Verwendung gefunden haben, rund 70 von damals gezählten etwa 180 Kl. Br. in der Front geſtanden haben, bis herauf zu unſrem verehrten, inzwiſchen leider auch dahingegangenen A. H. Geheimrat Will, der als über 60⸗jähriger ſich als Bataillons⸗ kommandeur im Anfang des Krieges im Oſten das E. K. geholt hat, und bis herauf zu unſrem lieben A. H. Direktor Albrecht Thaer, der Gottlob noch in voller Friſche unter uns lebt, der vom November 14 bis in's Jahr 17 hinein ſich an der Oſt⸗ und Weſtfront Verwundung, Krankheit und— das E. K. I. erworben und zuletzt noch als Beobachtungsoffizier im Flugzeug Dienſt getan hat. 2 ſeiner Söhne, liebe Kloſterbrüder, ſind ihm, ſind uns gefallen, und wir gedenken heute Abend mit beſondrem Stolze unſrer vielfachen Verknüpfung mit der Familie Thaer im Leben und im Tode und ſenden dem ſchwergetroffenen Vater, der ſo viel für ſein Vaterland getan und gegeben hat, unſra herzlichſten Grüße.
Wir wollen, wir dürfen ſtolz darauf ſein und es im Gedächtnis der ſpäteren Kloſtergenerationen bewahren. Und unſre Toten werden es billigen, wenn wir am Tage ihres Gedächt⸗ niſſes, von ihnen ausgehend und zu ihnen zurückführend, auch der Lebenden gedacht haben.
Ein Abbild des Vaterlandes im Kleinen hat das Kloſter an allen Fronten faſt ſeine Toten zu beklagen. Auch bei der Verteidigung unſrer uns ſo unritterlich entriſſenen Kolonien, einem ganz beſondren Ruhmesblatt unter den ſo zahlreichen des Krieges, hat einer unſrer hoffnungsvollſten, beliebteſten Kl. Br., unſer lieber Haberkorn, ſein junges Leben gelaſſen. Und wie ſchon die erſten Kämpfe des 4-jährigen Ringens im Auguſt 1914 das Kloſter in tiefe Trauer verſetzten— ſtarb doch ſchon am 25. Auguſt an ſeiner in dem verluſtreichen Gefecht unſres Gießener Regiments erhaltenen ſchweren Verwundung unſer lieber Ludwig Max Becker, der ſo hoffnungsfroh und freudig erſt wenige Tage zuvor den Abſchied, den die Alma mater ihren hinausziehenden Söhnen bereitete, mitgefeiert hatte
‚„ſo brachte uns noch der 3. November 1918, wenige Tage vor dem ſo gauenvollen Ende der Tragödie, das nicht mehr zu erleben ihm vergönnt war, den letzten ſchweren Verluſt durch den Tod unſres lieben Karl Wiener, des noch ſo jungen, ſo friſchen und ſo tapferen einzigen Sohnes unſres lieben A. H. Wiener, an ſchwerer, im Keim im Felde erworbener Krankheit, deren Anſturm der durch die Kriegsjahre und Strapazen geſchwächte Körper nicht mehr ertrug. 5 Kl. Br. entriſſen uns die wenigen Monate des 1. Kriegsjahres, je ebenſoviele die Jahre 1915 und 1917, 3: 1916, 6 ſchließlich das letzte Kriegsjahr 1918.
Es kann nicht meine Aufgabe ſein, die Spuren jedes einzelnen unſrer lieben Toten in’'s Leben zurückzuverfolgen. Jeder unter uns, der einem unter ihnen naheſtand, weiß, was er ihm geweſen iſt, was mit ihm hier an Hoffnungen und Erwartungen, dort an bewährter Tüchtigkeit und reifem Manneskönnen, mit allen an Freundſchaft und Liebe und Glück dahingegangen iſt.
Und da läßt ſich die ſchwere Frage nicht zurückdrängen, die, ſeit die Welt ſteht, millionenmal ſchon dem Himmel entgegen⸗ geſchleudert worden iſt und nie verſtummen wird: Warum?!


