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Das Kloster seinen Gefallenen
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licher Dankbarkeit. Sie müſſen in dieſer Gedächtnisſchrift für alle Zeiten aufbewahrt ſein.

Rede bei der Gedächtnisfeier für die im Kriege gefallenen und geſtorbenen Kloſterbrüder am 22. Januar 1 921.

Liebe Kloſterbrüder! Die 2. Hälfte des Monats Januar 1921 läßt an 2 Tagen die Erinnerung an die Vergangenheit, die ja nie ſchläft, mit ganz beſonders ſchmerzlicher Eindringlichkeit in unſren Herzen erklingen. In den letzten Tagen hat ganz Deutſchland, trotz Entente und Beſetzung und vielleicht dort noch tiefer wie ſonſt wo, in Wehmut und doch im ſtolzen Bewußtſein deſſen, was unſer war, des Tages vor 50 Jahren gedacht, an dem unter dem Rauſchen der ſieggeſchmückten Fahnen aller deutſchen Stämme die Sehnſucht der Beſten erfüllt, dem neuge⸗ ſchmiedeten Reiche ſein Kaiſer gekürt wurde; im erinnerungs⸗ reichen Spiegelſaale des Verſailler Schloſſes, der ſchon nur 48 Jahre ſpäter desſelben Reiches tiefſte Schmach ſehen ſollte.Eine Totenklage nannte ein Redner das Gedenken dieſes Tages, um mahnend fortzufahren:doch kein jämmerliches Winſeln vor dem Auslande, kein Verzagen, ſondern ein Anfang zu neuem Aufſtieg!, und weiter:durch alle Klage ringe ſich, wie im Nibelungenring, das Heldenmotiv ſieghaft hindurch! In wenigen Tagen wiederum gedenken wir, gedenkt jeder Deutſche, dem nicht Parteifanatismus den letzten Reſt menſchlichen Mit⸗ gefühls geraubt hat, der Vergangenheit, wenn wir dem Manne unſren ſtillen Gruß ſenden, der nach einem, nur dem ſeines Volkes vergleichbaren Sturze aus ererbter, unerſchütterlich ſcheinender Höhe und ſtrahlendem Glanze fern in der Fremde, am Sterbelager ſeiner treuen Lebensgefährtin ſeinen 62. Geburtstag begeht.

Zwiſchen dieſen beiden Tagen, von ihrer Stimmung getragen, begehen wir heute am Tage der 49. Wiederkehr unſrer Gründung, das Gedächtnis unſrer Toten.

Vom Chrenſchreine, den wir vorhin enthüllt, grüßen uns ihre Bilder, geſchmückt mit den ſchwarz⸗weiß⸗roten Farben ihres, des alten Reiches, deſſen gigantiſchen Kampf ſie mikgekämpft, im Glauben an deſſen Größe und endlichen Sieg ſie ihr Leben dahingegeben haben. Und indem wir der Toten ſinnend gedenken, ſehen wir ſie wieder lebensvoll, ſo wie wir ſie im Leben gekannt haben, vor uns erſtehen; wie wir ſie aber ſo wieder leben glauben, fühlen wir mit neuer ſchmerzlicher Gewißheit den Tod.

Ein jeder faſt unter uns hat wohl dem einen oder mehreren beſonders nahe geſtanden, durch Bande des Blutes oder der Wahlverwandtſchaft mit ihm verbunden; er trauert um ihn be⸗ ſonders, ſein Verluſt hat auch ihn ein Stück ſeines Lebens gekoſtet und wird es immer bedeuten. Hat doch der Kloſterjahrgang 1914 bis zurück zum Kloſterjahrgang 1887 Opfer gebracht; nicht nur die blühende Jugend des Kriegsſommerſemeſters 1914, von deſſen 9 Aktiven 8 vor dem Feinde geſtanden und von deſſen Aktiven und Inaktiven wiederum 8 ihr junges Leben gelaſſen haben, iſt der akademiſchen Parole: Burſchen heraus! jubelnd gefolgt; nein, bis in den Gründerjahrgang 1872 zurück ſtanden Kloſterbrüder im Felde und mit Richard v. Hippel und Fritz Schiele haben noch die Jahrgänge 1887 und 1888 den Todeszoll ent⸗ richtet. 16 Alte Herren und 8 Aktive und Inaktive ſind die Blutzeugen des Kloſters dafür, daß auch die nicht⸗ farbentragende Korporation, die nicht durch Sport und Schule der Beſtimmungsmenſur zum Waffenhandwerk erzogen hat, im Ernſtfall ihre Pflicht zu tun weiß, wenn's um's Vater⸗