möglich, daß Wilſon in gutem Glauben demokratiſche Staatsweſen für die beſtregierten hält und daß er unſer Volk der Segnungen ſolcher Einrichtungen teilhaftig werden laſſen möchte; aber ſicher iſt, daß er auch die Schwächung unſeres Staates beabſichtigt, und er iſt ſich wohl darüber klar, daß eine allzu weitgehende Demokratiſierung die Verteidigungskraft Deutſchlands herabzuſetzen vermag. Daher wird es uns niemals in den Sinn kommen, unſere Staatseinrichtungen einfach nach dem von Wilſon empfohlenen Rezept zu ändern.
Auf der andern Seite aber würden wir einen großen Fehler begehen, wollten wir in unſern Beſtrebungen, unſer Staatsweſen auf breitere Grundlage zu ſtellen, innehalten, deswegen, weil die beab⸗ ſichtigten Neuerungen in der von Wilſon angegebenen Richtung liegen, und wir uns nicht dem Verdacht ſchwächlicher Nachgiebigkeit aus⸗ ſetzen wollen. Vielleicht wäre nichts unſern Gegnern erwünſchter, als wenn wir die Demokratiſierung unſeres Staatsweſens einſtellten. Nein, unſer Weg ſoll ausſchließlich durch die Intereſſen unſeres Volkes beſtimmt werden; vorurteilslos können wir dabei auch Ein⸗ richtungen feindlicher Staaten nachbilden, ſoweit dies der Entwicklung unſeres Staates förderlich erſcheint, wird doch auch auf die Anwen⸗ dung eines Kriegsmittels nicht deshalb verzichtet, weil die Erfindung vom Gegner ſtammt. Es wird natürlich nicht ausbleiben, daß unſere Gegner ſolche Reformen als ein Zeichen der Schwäche auslegen, genau wie ſie es als Eingeſtändnis nachlaſſender Widerſtandskraft bezeichnen, daß in der deutſchen Antwort an den Papſt dem Gedanken der Abrüſtung und der obligatoriſchen Schiedsſprechung näher ge⸗ treten wird.
Aber dies darf uns nicht irre machen. Denn in ſolchen Preſſeäußerungen liegt doch auch viel AÄrger verborgen darüber, daß durch die veränderte Haltung der deutſchen Regierung in der Frage der Organiſation des Friedens und durch die Demokratiſierung unſeres Staatsweſens die Ausnützung der platten Schlagworte von der Rückſtändigkeit deutſcher Staatseinrichtungen und der Friedensfeindlichkeit der deutſchen Monarchie immer unmöglicher ge⸗ macht wird, und daß ſo die Kriegsloſung der Entente täglich mehr an Zugkraft verliert. Man merkt es ja ſchon der Note Wilſons an, wie ſchwer es ihm fällt, an ſeine eigenen Worte zu glauben, ſagt er doch, es ſei nicht ſeine Aufgabe, nachzuprüfen, wie das deutſche Volk unter die Herrſchaft einer ſolchen Macht kam und ſich mit Wohlgefallen der Herrſchaft aller ihrer Ziele unterwarf. Wilſon
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