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tungen zu fördern. Dieſe beiden Ziele ſind in der Denkweiſe unſerer amerikaniſchen Gegner eng mit einander verknüpft; ſie ſind in dem Glauben befangen, daß monarchiſche Einrichtungen den Ausbruch von Kriegen begünſtigen. Leider müſſen wir zugeben, daß die Haltung, die die deutſche Regierung auf den beiden Haager Friedenskonferenzen in der Frage der Schiedsgerichtsbarkeit einnahm, dieſes Vorurteil nähren konnte. And gerade zu den Vereinigten Staaten, die als Vorkämpfer des Schiedsgerichtsgrundſatzes auftraten, geriet Deutſch⸗ land durch ſeine Haltung in ſcharfen Gegenſatz. Es braucht nur daran erinnert zu werden, daß die Hartnäckigkeit, mit der ſich Deutſch⸗ land auf der zweiten Friedenskonferenz der Einführung des Prinzips der obligatoriſchen Schiedsſprechung widerſetzte, zu heftigen Zuſam⸗ menſtößen zwiſchen dem deutſchen Vertreter v. Marſchall und dem Vertreter der Vereinigten Staaten, Choate, führte¹). Die aus dieſen geſchichtlichen Vorgängen fließende Verquickung des demokratiſchen mit dem Weltfriedensgedanken erklärt es auch, warum Präſident Wilſon das agreſſive Moment ſeiner demokratiſchen Politik nicht zum Bewußtſein kommt.
Die auswärtige Politik der Vereinigten Staaten war urſprüng⸗ lich eine weſentlich defenſive. Die Monroedoktrin wurde verkündigt, weil die Wiederunterwerfung der ſpaniſchen Kolonien unter die Gewalt ihres Mutterlandes zu ähnlichen Verſuchen gegenüber den Vereinigten Staaten führen konnte und ſomit die Exiſtenz des jungen Freiſtaats bedroht erſchien. Aber in der Monroedoktrin lag, ihren Arhebern unbewußt, der Keim zu einer Angriffspolitik enthalten. Immer mehr entwickelten ſich dieſe Keime und führten zu einer im⸗ perialiſtiſchen Politik, die zunächſt nur auf amerikaniſchem Boden, dann in Aſien ſich betätigte, bis ſie ſchließlich nach Europa übergriff. An Stelle des Prinzips der Verteidigung, der Iſolierung von den europäiſchen Staaten, der Nichteinmiſchung in ihre Angelegenheiten iſt der Grundſatz des Angriffs, der Verbindung mit europäiſchen Staaten, der Einmiſchung in ihre innere Politik getreten.
Selbſtverſtändlich kann die Antwort auf die Note Wilſons nur in ihrer ſchärfſten Zurückweiſung beſtehen. Ein Einfluß auf unſere innere Politik darf ihr nicht eingeräumt werden, weder in antreiben⸗ dem noch in hemmendem Sinne. Ratſchläge des Gegners verdienen immer, mit geſundem Mißtrauen aufgenommen zu werden. Es iſt
z) Alfred Fried, Die zweite Haager Konferenz, Leipzig 1907, S. 89 f.
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