1851 den übergang zur Monarchie vorbereitet hatte, brach der ame⸗ rikaniſche Botſchafter zunächſt den Verkehr zu dem Prinzpräſidenten ab; erſt, als die Plebiszite am 20. und 21. Dezember eine glänzende 5 Mehrheit für Napoleon ergaben, tauchte der Botſchafter beim Neu⸗
. vo jahrsempfang wieder auf ¹). di Dieſer, demokratiſch⸗republikaniſche Neuerungen bevorzugenden Politik ſind die Vereinigten Staaten bis zum heutigen Tage treu 4 geblieben: es iſt doch wohl kein Zufall, daß die Republik China von 3 den Vereinigten Staaten ſchon im Mai 1913, von Deutſchland, Rußland und Öſterreich⸗Angarn aber erſt im Oktober desſelben Jahres wn anerkannt wurde. Wir dürfen übrigens den Vereinigten Staaten 3 aus dieſer unverhüllten Einſeitigkeit ihrer auswärtigen Politik keinen i Vorwurf machen, denn in der deutſchen auswärtigen Politik verrät ſich d umgekehrt gelegentlich unſere Vorliebe für monarchiſche Inſtitutionen. 1
Haben die Mittelmächte, als ſie ſich zur Anerkennung der Selbſtän⸗ digkeit Polens entſchloſſen, den Polen etwa die Wahl der Staats⸗ 4 form überlaſſen? Nein, es wurde einfach die Bildung eines„König⸗ reichs“ Polen verkündigt.
Im Grunde genommen iſt auch die Note Wilſons nichts andres als ein neuer Beweis dafür, welchen Einfluß die amerikaniſche Re⸗ gierung innerpolitiſchen Grundſätzen auf die auswärtige Politik ein⸗ li
räumt. Wilſon glaubt jedenfalls, ganz in den Bahnen der ameri⸗ w kaniſchen Aberlieferung zu wandeln, gehörten doch die beiden Staaten, G die er hauptſächlich bekämpft, Preußen und öſterreich, zur heiligen W Allianz, gegen die ſich ſeinerzeit die Monroedoktrin richtete, und ſind 6 doch dieſe beiden Staaten die einzigen Staaten der ehemaligen heiligen D Allianz, in denen monarchiſche Staatseinrichtungen mit überwiegender 3 Gewalt des Fürſten ſich erhalten haben. p
Freilich wär es übertrieben, wollte man die Teilnahme der d Vereinigten Staaten am Kriege allein aus dieſer demokratiſchen Grund⸗ richtung ihrer auswärtigen Politik ableiten. Vonwirtſchaftlichen Arſachen 6 — den Intereſſen der Induſtrie und der Hochfinanz— ganz abgeſehen, ſpielt offenkundig die Gleichgewichtspolitik bei der Stellungnahme
Amerikas eine Rolle. Aber neben dieſen realpolitiſchen Geſichtspunkten wirken doch auch— sit venia verbo— ideale Ziele auf die Politik der Vereinigten Staaten ein: namentlich die Abſicht, die Organiſation des Friedens und die Verbreitung der demokratiſchen Staatseinrich⸗
¹) Wilhelm Lauſer, Geſchichte Spaniens von dem Sturz Jaabellas bis zur Thronbeſteigung Alfonſos. Leipzig 1877, Bd. II, S. 73.
40


