Kriegführender vor den inneren Angelegenheiten des gegneriſchen Staates Halt machen ſoll; es entſpricht vielmehr dem Gebot der Selbſterhaltung, daß der Kriegführende ſich nicht nur die Fehler des Gegners in Kriegführung und Diplomatie, ſondern auch die Schwächen ſeiner inneren Politik zunutze zu machen ſucht.
Von jeher wurden von kriegführenden Staaten Selbſtändigkeits⸗ beſtrebungen unzufriedener Nationalitäten und Volksteile in den gegneriſchen Staaten gefördert. So auch im gegenwärtigen Kriege: einerſeits unterſtützt die Entente die Machenſchaften des Häufleins franzoſenfreundlicher Elſaß⸗Lothringer, die gegen den Beſtand der öſterreich⸗ungariſchen Monarchie gerichteten Beſtrebungen des ſerbiſch geſinnten Teiles der Südſlaven, der Ruthenen in Oſtgalizien, der Rumänen in Siebenbürgen, der irredentiſtiſchen Südtiroler, wie auch die ſeparatiſtiſchen Wünſche der Armenier und der Araber im tür⸗ kiſchen Reiche; anderſeits finden bei uns die Verſuche der Inder, Agypter, Buren und Irländer, ſich aus dem Rahmen des britiſchen Reiches loszulöſen, und die Anabhängigkeitsbeſtrebungen der Finn⸗ länder und Akrainer volles Verſtändnis, und wenn auch dieſen Völkern bis jetzt noch keine materielle Hülfe geleiſtet werden konnte, ſo hat das deutſche Reich doch die Gelegenheit wahrgenommen, Vlamen, Polen und Litauern eine über die Aufgaben einer bloßen Okkupationsver⸗ waltung weit hinausgehende Förderung ihrer Selbſtändigkeitsbeſtre⸗ bungen zu teil werden zu laſſen in der ausgeſprochenen Abſicht, die dieſen Völkern gewährten nationalen Rechte, wie die vlämiſche Aniverſität in Gent, die Sonderverwaltung der vlämiſchen Landesteile, und den polniſchen Staat den Krieg überdauern zu laſſen.
Aber nicht nur Sonderbeſtrebungen von Nationalitäten, auch ſonſtigen inneren Bewegungen pflegen die Kriegführenden nicht teil⸗ nahmslos gegenüberzuſtehen. Parteibildungen, die an der Zerſetzung des Staates arbeiten oder Nachgiebigkeit gegenüber den Forderungen des Feindes predigen, können immer auf Anterſtützung beim gegne⸗ riſchen Staate zählen. In der Ententepreſſe kehrt häufig die Be⸗ hauptung wieder, an den Anruhen in Petersburg trügen deutſche Wühlereien die Schuld; wir wiſſen nicht, ob dem ſo iſt, aber wir brauchten nicht zu erröten, wenn an dieſen Behauptungen etwas Wahres wäre.
Man darf indes nicht glauben, daß nur ſolche Parteien vom Gegner begünſtigt werden, die zerſetzend auf das Staatsweſen ein⸗ wirken. Natürlich hat der Kriegführende vor allem ein Intereſſe,
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