Druckschrift 
Weihnachtsgruß der Universität Gießen an ihre Studenten im Felde / [Großherzogliche Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen; die Zeichnungen sind von Professor Otto Ubbelohde]
Entstehung
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den gegneriſchen Staat durch Parteizwiſtigkeiten und Anruhen zu ſchwächen, aber es würde dem Kriegführenden kaum zum Vorteil ge⸗ reichen, wenn der gegneriſche Staat, ohne vollkommen überwunden werden zu können, in völlige Anarchie verfiele. Am Frieden ſchließen zu können, muß man mit ſolchen Perſönlichkeiten verhandeln können⸗ die vom gegneriſchen Volke als Staatsorgane anerkannt ſind. Darum begünſtigte Bismarck nach dem Sturze Napoleons III. die Feſtigung der franzöſiſchen Republik. Es iſt nicht ausgeſchloſſen, daß auch Deutſchland und ſeine Verbündeten irgend eine Partei, gleichgültig welche, in Rußland unterſtützen werden, damit dieſe die Zügel der Regierung feſt in die Hand bekommt und ſo die Möglichkeit gewinnt, im Namen des ruſſiſchen Staates Frieden zu ſchließen.

Es muß mithin als eine der Aufgaben der Kriegführung be⸗ trachtet werden, auch die innere Politik des Gegners zu beeinfluſſen. Inſofern erſcheint der ungeſchickte Verſuch Wilſons, Zwietracht zwiſchen dem deutſchen Volk und ſeiner Regierung zu ſäen, verſtändlich. Er wird aber noch begreiflicher, wenn man berückſichtigt, daß die Ver⸗ einigten Staaten auch in Friedenszeiten den Grundſatz der Nicht⸗ intervention nicht zur unbedingten Richtſchnur ihrer auswärtigen Politik nahmen. Wir betrachten es heute als einen Leitſatz des Völ⸗ kerrechts, daß bei der Pflege der Beziehungen zu andern Staaten die inneren Verhältniſſe dieſer Staaten, wie Staatsform und Regierungs⸗ form, außer Betracht bleiben. Dieſer Leitſatz mußte ſich in Europa, deſſen innere Einrichtungen ein ſo mannigfaltiges Bild bieten, heraus bilden, wenn anders die europäiſchen Staaten mit einander in Frieden leben wollten. Aber die Geſchichte beweiſt, daß der Leitſatz der Nicht⸗ einmiſchung früher keine Geltung beſaß: zur Zeit der großen Revo⸗ lution verbanden ſich die europäiſchen Monarchien gegen die junge franzöſiſche Republik, und dieſe ihrerſeits ſuchte freiheitliche Einrich⸗ tungen benachbarten Staaten gewaltſam aufzudrängen. AUnd nach der Niederwerfung Napoleons I., deſſen Abſetzung wiederum eine Ein⸗ miſchung in die inneren Angelegenheiten Frankreichs bedeutete, hielt die heilige Allianz, eine Gemeinbürgſchaft reaktionärer Monarchien, im Namen des Legitimitätsprinzips anderthalb Jahrzehnte hindurch jede Volksbewegung in den europäiſchen Staaten in Schach.

Eben an dieſe freiheitsfeindliche Politik der heiligen Allianz knüpft die Nichtung der amerikaniſchen Politik an, die ſich in ihren Ausſtrahlungen noch heute geltend macht. Im Jahre 1820 hatte eine Militärrevolte den König Ferdinand VII. von Spanien gezwungen,

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