vermittelſt einer äußerſt geſchickten Politik, im Laufe eines halben Jahrhunderts zu einer der Großmächte der Erde geworden iſt. Am dieſelbe Zeit trat auch das Deutſche Reich in die Reihe der Groß⸗ mächte ein und ſicherte ſich Plätze an den ſonnigen Geſtaden des Atlantiſchen, des Indiſchen und, was für ſeine Zukunft das wich⸗ tigſte ſein wird, auch des Großen Ozeans. So iſt mit einem Schlage der Große Ozean in die Mitte der Weltpolitik geſchoben, was nur durch zwei Tatſachen, das Erwachen Oſtaſiens und die Erbauung des Panamakanals, gekennzeichnet werden mag.
Durch dieſes Drängen der Völker nach der Amrandung des Großen Ozeans wurde nun auch der Indiſche Ozean wieder in den Vordergrund der Weltpolitik gerückt, da er das Zwiſchenglied zur Erreichung des Großen Ozeans von Europa aus bildet. In richti⸗ ger Erkenntnis dieſer Sachlage wurde ſchon vor 50 Jahren mit fran⸗ zöſiſchen Mitteln der Suezkanal gebaut und die Erwerbung der Haupt⸗ maſſe ſeiner Aktien durch England vollzogen. Heute tritt dieſe Be⸗ deutung des Indiſchen Ozeans mit unübertrefflicher Klarheit hervor, da ſich die Entſcheidung über Sieg oder Niederlage in dem gegen⸗ wärtigen Kriege in erſter Linie zwar um Belgien, in zweiter aber um die Aferländer des Roten Meeres und des Perſiſchen Meeres drehen muß. Gelingt es nicht, den Engländern dieſe wieder zu ent⸗ reißen, ſo iſt uns der Weg nach dem Oſten in ähnlicher Weiſe ver⸗ ſperrt, wie Ende des 15. Jahrhunderts durch die Türken; und wie auf dieſes Ereignis der Rückgang der großen ſüddeutſchen Handels⸗ ſtädte Augsburg, Alm, Nürnberg folgte, ſo wird diesmal die ge⸗ nannte Sperrung einen ähnlichen Ruin der geſamten deutſchen Wirt⸗ ſchaft einleiten.
Leider verbietet mir die Geringfügigkeit des mir zugemeſſenen Raumes dieſe Anterſuchung weiter fortzuſetzen. Sie ſollte noch zeigen, wie Weltpolitik gemacht wird, mit welchen Mitteln und von welchen großen politiſchen Geſichtspunkten aus. Vielleicht veranlaſſen aber die vorſtehenden kurzen Ausführungen meine Leſer, ſelbſt einmal darüber nachzudenken. Denn unſere Studierenden wer⸗ den die Träger der künftigen Weltpolitik unſeres Volkes ſein. Mögen ſie ſich deſſen ſchon heute bewußt werden!
Wilhelm Sievers.
33


