Im Mittelalter gab es drei Meere, deren Beherrſchung für die Machtſtellung der umliegenden Reiche den Ausſchlag gab. Im Mittelmeer gelangte nach vielen Wechſelfällen und Kämpfen zwiſchen den Oſtrömern, den Arabern, den Normannen und den italieniſchen Seeſtädten kein Volk zur vollen Herrſchaft. Nur den Oſten beherſchten etwa dreihundert Jahre lang die Venetianer, aber ſie erlagen ganz am Ausgange des Mittelalters den Türken, jedoch erſt nachdem dieſe neben ihrem Landheer eine Flotte gegründet hatten. In der Oſt⸗ und Nordſee haben unſere Vorfahren in Geſtalt der Hanſa zwei Jahrhunderte lang die Herrſchaft über die benachbar⸗ ten Staaten ausgeübt. Im Südoſten beherrſchten die Araber das Rote Meer, das perſiſche Meer und den Indiſchen Ozean ſüd⸗ wärts bis nach Mozambik, oſtwärts bis zu den Malayiſchen Inſeln. Darin lag auch der Grund, weshalb nach der großen Erwei⸗ terung des räumlichen Wiſſens von der Erdoberfläche um das Jahr 1500 die Neuzeit nicht mit der Vorherrſchaft des Atlantiſchen, ſondern der des Indiſchen Ozeans begann, indem die Portu⸗ gieſen die arabiſche Seeherrſchaft auf ihm vernichteten, zumal da die von den Weſteuropäern geſuchten Schätze Indiens an ſeinen Küſten und denen des ihm benachbarten Malayiſchen Mittelmeeres lagen. Nach kurzer Zeit aber wurde der Atlantiſche Ozean das Hauptfeld der Weltpolitik, da die von den Spaniern in Amerika erworbenen Länder eine leichtere und ausgiebigere Ausbeutung boten. Dreihun⸗ dert Jahre lang hat der Atlantiſche Ozean ſeitdem die Weltpolitik beherrſcht. Auf ihm ſpielten ſich die ſchweren Kämpfe zwiſchen den Weltmächten der Neuzeit ab. Auf ihm bewegten ſich die ſpaniſchen Silberflotten nach Europa, auf ihm zogen die Einwanderer in den neuen Kontinent, mit ihnen die Erzeugniſſe der europäiſchen Kultur, gegen welche die neuen Rohſtoffe Amerikas eingetauſcht wurden. Während des 19. Jahrhunderts vollzog ſich wiederum ein AUm⸗ ſchwung, vorausſichtlich der letzte mögliche. Wir ſtehen auf dem Punkte des Zurücktretens des Atlantiſchen Ozeans aus der Vor⸗ herrſchaft und des Kbergangs ſeiner Rolle an den Großen Ozean. Hervorgerufen wurde dieſer Amſchwung durch das Hinauswachſen der britiſchen Kolonien von Nordamerika nach den Geſtaden des Großen Ozeans und der gleichzeitigen Ausbreitung Rußlands nach ſeinen weſtlichen Afern. Dadurch wurde ein dritter Staat aus ſeinem bisherigen Schlummer geweckt, Japan, das nun, geſtützt auf die Tüch⸗ tigkeit ſeiner Bewohner und günſtige geographiſche Bedingungen ſowie
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