Druckschrift 
Weihnachtsgruß der Universität Gießen an ihre Studenten im Felde / [Großherzogliche Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen; die Zeichnungen sind von Professor Otto Ubbelohde]
Entstehung
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Araber und ganz gegen ſein Ende die Mongolen und Türken anzu⸗ führen; Karl der Große hatte kein Weltreich, auch keiner der Hohen⸗ ſtaufen. In der Neuzeit mußte ſich der Begriff Weltreich natur⸗ gemäß erweitern. Er trifft daher nur auf weiträumige Staaten mit großem Kolonialbeſitz zu und iſt an die Seegeltung geknüpft; an die Stelle eines kleinen engräumigen Geſichtskreiſes tritt die Amſpannung der ganzen Erde vermittelſt der Beherrſchung der Meere. Nun be⸗ ginnt die Zeit der großen Weltpolitik. Zuerſt, im 16. Jahrhundert, wurde ſie ausgeübt von den Portugieſen und den Spaniern, von denen die erſteren den Indiſchen Ozean, die letzteren den Atlantiſchen beherrſchten. Im 17. Jahrhundert traten an die Stelle der Portu⸗ gieſen die Niederländer, im 18. kamen England und Frankreich mehr und mehr empor, drängten zunächſt Spanien zurück und kämpften dann um die Herrſchaft; das Ende des Jahrhunderts ſah ſchon die Nieder lage Frankreichs gegenüber England. Im 19. Jahrhundert ſchied Spanien ganz aus, England wurde die Beherrſcherin der Weltpoli⸗ tik und iſt es auch heute noch. Aber gegen Ende des Jahrhunderts traten vier neue Bewerber in die Weltpolitik ein, das Deutſche Reich, Nußland, Japan und die Vereinigten Staaten. Aber das Ergebnis ihres Wettbewerbs wird der zu erwartende Friede entſcheiden und damit auch über die Vormächte der Weltpolitik in der erſten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Aus dem eben Geſagten ergiebt ſich z. T. ſchon die Antwort auf die weitere Frage: Wo iſt der Schauplatz der Weltpoli⸗ tik?, eine Frage, die uns zu den engſten Beziehungen zwiſchen Weltpolitik und Geographie führt. Der Sitz der Weltpolitik ſind zu allen Zeiten die Meere geweſen und mit ihnen die Küſten. Das jenige Volk, welches das Meer beherrſchte, übte auch die Herrſchaft über die von ihren Küſten landeinwärts ſich erſtreckenden Länder. Denn um die Beherrſchung der Meere handelt es ſich bei der Weltpolitik, nicht um die Freiheit der Meere. Im Altertum war das Mittelmeer der Schauplatz der Weltpolitik: AÄgypter, Phöniker, Griechen, Römer, Karthager befuhren es zu Handelszwecken, aber beherrſcht wurde es nur durch die Römer und auch erſt dann, als ſie den Wettbewerb der Karthager gebrochen hatten; erſt ſeitdem das Wort Catos: Karthago ſei zu zerſtören, in Erfüllung gegangen war vermochten die Römer Flotten und Heere im Bereiche des Mittel, meeres nach ihrem Belieben bald hierhin bald dorthin zu ſchieben und alle Länder um das Mittelmeer zu unterwerfen.

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