Druckschrift 
Weihnachtsgruß der Universität Gießen an ihre Studenten im Felde / [Großherzogliche Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen; die Zeichnungen sind von Professor Otto Ubbelohde]
Entstehung
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Verkehrsmittel, ſchwachen Punkten ſchleunigſt Reſerven zuzuführen. Man kann daher weder von einer Äberlegenheit des Angriffs noch der Verteidigung ſprechen; wie die Durchbrüche im Oſten und am Iſonzo, das Standhalten der Deutſchen im Weſten und der öſterreicher am Iſonzo zeigen, ſpielen Führung und Qualität der Truppen wie ſtets die Hauptrolle.

And wie ſoll man die Schlacht im Geſamtrahmen der Strategie bewerten? Iſt ſie wie unter Napoleon und Moltke das weitaus wichtigſte, faſt einzige Kriegsmittel oder ſind ihr die oben erwähnten ebenbürtig wie vor 200 Jahren? Kann die Schlacht oder beſſer eine Kette von Schlachten den feindlichen Willen brechen oder wird es auf eine langſame Erſchöpfung wie im Siebenjährigen Kriege hinaus kommen? Sicher iſt, daß heute ein Sieg nicht in demſelben Maße wie im 19. Jahrhundert unter den Streitkräften des Geſchlagenen auf räumen kann, und daß die Einzelentſcheidung alſo von geringerer Bedeutung für den Endzweck iſt; aber das liegt nicht wie unter Friedrich dem Großen an der inneren Anvollkommenheit des Heeres, die eine Ausnutzung des Sieges nicht geſtattet, ſondern an der größeren Menge der Kriegsmittel, die viel ſtärkere Verluſte ertragen kann. Ein Sieg mit 100 000 Gefangenen in den erſten Wochen des Krieges hätte vor 100 Jahren den Krieg entſchieden und vor 50 wenigſtens der einen Partei einen nicht wieder einzuholenden Vor⸗ ſprung verſchafft: heute können ſolche Einbußen verſchmerzt werden. Die Steigerung der Schlagkraft iſt alſo durch Vermehrung der Kampfmittel wettgemacht worden, wodurch eine Verlängerung des Krieges erzwungen wird.

Soll man alſo in der Strategie Hindenburgs eine neue Form der Napoleoniſchen oder der Fridericianiſchen ſehen? Ich möchte dieſe Frage heute, wo das letzte Wort des Krieges noch nicht ge⸗ ſprochen iſt und ſo viele intime Dinge, wie namentlich die blutigen Verluſte, noch unbekannt ſind, nicht beantworten; ich wollte nur den kämpfenden Kommilitonen, denen ein Vergleich ihres Krieges mit den früheren ſo nahe liegt, einige Winke geben, welche hiſtoriſche Größen Form und Intenſität der Kriege beſtimmt haben und noch beſtimmen. Guſtav Roloff.