Druckschrift 
Weihnachtsgruß der Universität Gießen an ihre Studenten im Felde / [Großherzogliche Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen; die Zeichnungen sind von Professor Otto Ubbelohde]
Entstehung
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ſo entſchloß man ſich bei verminderter Zahl und Qualität der Trup⸗ pen immer ſchwerer zum Schlagen, und ſo ſcheinen die Kriege ſchließ⸗ lich einzuſchlafen; ſelbſt die gewaltigſten Kriege der Epoche, der Sieben⸗ jährige und Spaniſche Erbfolgekrieg zeigen in ihren letzten Jahren keine größeren Kämpfe mehr. Auch die Winterruhe ergab ſich aus den geſchilderten Verhältniſſen: die regelmäßige Verpflegung aus den Magazinen war bei den damaligen Verkehrsmöglichkeiten im Winter allein im feſten Quartier erreichbar. So iſt die Strategie vor 200 Jahren eine ganz andere als vor 100 Jahren: ſie erſtrebt keine ſchnelle Zerſtörung der feindlichen Hilfsquellen, ſondern eine allmähliche: durch Gefechte, Abſchneiden von Zufuhren, Wegnahme von Städten, Landſchaften und Magazinen u. dergl. ſucht ſie dem Feinde, unter geſchickter Schonung der eigenen Kräfte, ſoviel Schaden zuzufügen, daß er ſchließlich den Kampf aufgibt. Nicht ein großer Schlag, ſondern viele kleine: Pfennig auf Pfennig häufen, bis ſchließ⸗ lich ein Taler daraus wird, ſagte Friedrich der Große.

Zu welcher Kategorie ſoll man nun das gewaltige Drama, das ſich vor unſeren Augen abſpielt, rechnen? Ohne Zweifel berührt es ſich mit beiden in vielen Punkten. Das rieſige Menſchenaufgebot, die ungeheure Ausdehnung des Kriegsſchauplatzes, die gewaltige Zahl der Schlachten, deren Ergebniſſe zum Teil alles bisher Bekannte weit übertroffen haben, weiſen auf die Epoche Moltkes und Napoleons hin, nur iſt die Gewalt mächtig geſteigert. Die lange Dauer des Krieges dagegen teilt der Weltkrieg mit der älteren Periode, ebenſo die große Ausdehnung des Stellungskrieges, die Beſetzung rieſiger Schanzen- und Grabenlinien, die dem Feinde den Eintritt in ganze Länder verwehren ſollen. Aber auch hier gibt es einen Anterſchied. Vor 200 Jahren mißlang in der Negel der Verſuch, meilenlange Stellungen zu behaupten, weil die verteidigende Truppe zu ſchwach war, alle Stellungen wirkſam zu beſetzen und einen Durchbruch wie eine Amgehung zu verhüten; heute ſind die Armeen ſo groß, daß ſie Linien von Hunderten von Kilometern ausreichend beſetzen können. And gerade durch die große Ausdehnung erhöht ſich die Ausſicht, ſichere Flankenanlehnung zu gewinnen, ſei es das Merr, ſei es ein neutrales Land. Die moderne Technik dient ſowohl dem Angriff wie der Verteidigung ſolcher Stellungen. Wenn die Wirkſamkeit der Artillerie und der übrigen Zerſtörungsmittel ungeheuer geſteigert iſt, ſo auch die Kunſt des Schanzens, und vor allem ermöglicht die ver⸗ größerte Beweglichkeit der Truppen infolge der Verbeſſerung der

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