Druckschrift 
Weihnachtsgruß der Universität Gießen an ihre Studenten im Felde / [Großherzogliche Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen; die Zeichnungen sind von Professor Otto Ubbelohde]
Entstehung
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ten die Nerven derer, die ſo lange im Schützengraben geweſen, dieſe Gewaltoffenſive der Wiſſenſchaft ertragen? Könnten ſie die Flut von Vorleſungen, die das ganze Jahr durch auf ſie einſtürmen würde, verarbeiten? And ein Vorteil würde ihnen doch nicht erwachſen. Da nicht neben einander Semeſter und Trimeſter gehalten werden können, ſo würden auch die jungen Studenten, die gerade nach dem Krieg ihr Studium beginnen, ohne irgend etwas vom Krieg geſehen zu haben, mit gleicher Eile die Bahn durchmeſſen, und, da ſie nie aus der Bahn geworfen waren, vielleicht gar noch die Vaterlands⸗ kämpfer überflügeln. Es wird beſſer ſein, wenn auf andere Weiſe (vielleicht durch Ferienkurſe) dafür geſorgt wird, daß niemand nach dem Krieg lange akademiſche Ferien nutzlos verbringen müſſe.

Vom Leben der Aniverſität ſoll ich berichten. Dazu gehört auch, daß ich es ausſpreche: Die Aniverſität lebt jetzt ganz mit dem Vaterland, ganz mit ihren Angehörigen draußen. Dozenten wie Studenten tauſchen die Nachrichten unter einander aus, die vom Feld her eingehen. Was uns berichtet wird, Fröhliches wie Trau⸗ riges, wird ſogleich gebucht. Jedes Einzelnen Geſchick geleiten wir mit unſeren Gedanken. Wir tragen innerlich mit den Flandern! kämpfern die Laſt der engliſchen Maſſenangriffe; was habt Ihr dort auszuhalten gehabt, Ihr Wackeren! Wir jubeln mit den Italien⸗ Kämpfern über den glorreichen Feldzug, der vom Iſonzo ausging. Daß wir das in dieſem harten Jahr 1917 noch erleben durften! Wir fühlen uns mit den in Rußland, Galizien und Numänien Stehenden in die Beſchwerlichkeiten des vierten Winterfeldzuges ein! Wir leben mit Euch, die Ihr für uns kämpft!

Ihr haltet durch; wir wollen es auch tun. Es wird auch uns nicht immer leicht. Nun ſchon durch ſieben Semeſter vor zwei oder drei Hörern leſen: das iſt auch ein Kriegsdienſt. Er iſt doch noch leich⸗ ter als der Eure. Die alma mater Ludoviciana hält tapfer durch. And ſie hofft, während ſie ſtill ihre Schuldigkeit tut. Sie hofft auf den Tag, da Ihr wieder ihre Näume füllt. Sie hofft auf den Tag, da Ihr wieder der Wiſſenſchaft gehören werdet. Gebe Gott, daß

der Tag bald komme! Martin Schian.

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