möglich ſein wird. Man kann im Winter ſich auf ſeiner Bude nur wohl fühlen, wenn ſie geheizt iſt. Im Januar und Februar 1917 iſt es nicht immer leicht geweſen, die nötigen Kohlen zu beſchaffen. Für dieſen Winter ſoll die Stadt jedem Studenten das notwendige Quantum Kohlen bewilligt haben. Aber wer den Bezugsſchein hat, hat darum noch nicht die Kohlen ſelber. Möge es in Gießen nicht dahin kommen, daß(wie von anderen Aniverſitätsſtädten im vorigen Winterſemeſter berichtet wurde) Studenten den ganzen Tag im Bett verbringen mußten, wenn ſie nicht frieren wollten. Im übrigen ſorgt die Aniverſitätsbibliothek für warme Näume. Auch die Seminare im Vorleſungsgebäude halten ihre Pforten geöffnet. überall winken Bücher dem Fleißigen.
Dem ärgſten Kohlenmangel zu begegnen, hat die Ludoviciana heuer eine ganz revolutionäre Maßnahme getroffen. Das Winter⸗ ſemeſter iſt verlegt worden! Nicht erſt gegen Ende des Oktober ſtiegen die Dozenten wieder aufs Katheder; pünktlich am 2, Oktober fingen die Vorleſungen an. Die Weihnachtsferien werden verkürzt, und am 2. Februar wird das Semeſter ſein Ende finden. Bringt dann der Februar große Kälte, ſo brauchen Vorleſungsgebäude und Inſtitute ſich nicht(oder nur wenig) am Kohlenverbrauch zu beteiligen; und kein Student braucht in ſeiner Stube zu frieren (Goffentlich findet er daheim ein warmes Zimmer!). Ob die Maß⸗ regel ganz den erwarteten Erfolg haben wird? Wir rechneten auf einen ſchönen Oktober. Dieſe Hoffnung hat getäuſcht. Wir mußten daher ſchon im Oktober heizen. Vielleicht wäre es praktiſcher geweſen, wie wir Gießener anfangs wollten, das Semeſter vom September bis Weihnachten zu halten. Aber wir mußten uns den Schweſter⸗ univerſitäten anſchließen, die es anders machten. Wir tun eben, was wir können.
Was wäre ſonſt noch vom Leben der Aniverſität zu berichten? Nach wie vor iſt auf der Kanzlei reichliche Arbeit zu leiſten. And der Rektor hat mit der Leitung der Aniverſitätsangelegenheiten merk⸗ würdiger Weiſe nicht weniger zu tun als im Frieden. Es ſind viel weniger Studenten, die jetzt immatrikuliert und exmatrikuliert werden wollen, aber von dieſen wenigen hat faſt jeder ſein beſonderes An— liegen, ſeine beſonderen Fragen und Nöte. Das iſt überhaupt für dieſe Kriegszeit bezeichnend, daß die gewöhnlichen Schemata nicht ausreichen. Alle möglichen neuen Lagen fordern neue Entſchlüſſe. Wie ſchwierig für manchen die Entſcheidung, ob er weiter dem 21


