Druckschrift 
Weihnachtsgruß der Universität Gießen an ihre Studenten im Felde / [Großherzogliche Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen; die Zeichnungen sind von Professor Otto Ubbelohde]
Entstehung
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ganz wenige die nötige Energie dafür aufbringen. Vorgekommen iſt es ſchon, daß uns eine Doktorarbeit zugegangen iſt, die im Unter⸗ ſtand an der Front angefertigt war. Sie trägt vielleicht äußerlich die Spuren dieſer Entſtehung. Aber wer ſieht jetzt aufs AÄußere? Von anderen Kommilitonen weiß ich, daß ſie die feſte Abſicht gehabt haben, Mußeſtunden, die der Dienſt im Felde ihnen ließ, zu ähnlichen Zwecken zu verwenden. Aber es kam anders, als ſie gedacht. Sie mußten das Vorhaben auf beſſere Zeiten verſchieben.

Kein Wunder, daß unter dieſen Amſtänden für das, was man ſonſt ſtudentiſches Leben nannte, ſo gut wie keine Raum bleibt. Wohl tragen in der letzten Zeit einige wenige Verbindungen wieder ihre Farben; und ſie verſuchen, die Mitglieder, die ſie gewonnen haben, zu einigem Gemeinſchaftsleben zu vereinigen. Zu Kommerſen bringen ſie es ſelbſtverſtändlich nicht. Sie wollten es auch gar nicht, ſelbſt wenn ſie es könnten. Während draußen der Lärm der Schlachten tobt, können wir hier nicht in der alten Weiſe fröhlich ſein. Auch ein beſonderes Hindernis ſteht der alten Weiſe ſtudentiſchen Lebens im Wege. Das Bier, das uns in der Heimat jetzt noch verzapft wird, zu trinken, iſt nämlich alles andere, als ein Genuß. Ehr im Felde ſollt es darin noch beſſer haben.) Man trinkt zuweilen ein Glas im Gedenken an vergangene beſſere Zeiten und in der Hoff⸗ nung auf kommende Zeiten. Aber, wenn möglich, läßt man es lieber bleiben. Weitaus die meiſten Verbindungen kommen erſt gar nicht in die Lage, ſich zu überlegen, ob ſie Kneipen abhalten ſollen oder nicht. Sind überhaupt Aktive vorhanden, ſo iſt die Zahl ſo gering, daß ſich ſolches Vornehmen gar nicht lohnen würde. So bleibt man denn auf ſeiner Bude und hofft, daß es ſpäter wieder einmal anders werden wird.

Das ſtudentiſche Leben ruht. Auch derEngere Ausſchuß der Studentenſchaft, der ſonſt in den Angelegenheiten der Ludo⸗ viciana vielfach ein Wort mitzuſprechen hatte, ruht. Trotz mehr⸗ facher Verſuche ſind die Wahlen für den Ausſchuß am Beginn des Winterſemeſters 1916/17 nicht zu ſtande gekommen. Auf den Wunſch der letzten Ferienvertreter übernahm der Engere Senat die Geſchäfte des Ausſchuſſes. Er führt ſie bis heute. Möge der Tag bald kommen, da er ſie wieder in die Hände der Kommilitonen zurück geben kann!

Ich ſagte vorhin: Man bleibt auf ſeiner Bude. Wir wollen hoffen, daß das allen Kommilitonen in dieſem Winterſemeſter immer

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