Druckschrift 
Weihnachtsgruß der Universität Gießen an ihre Studenten im Felde / [Großherzogliche Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen; die Zeichnungen sind von Professor Otto Ubbelohde]
Entstehung
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nahe vor dem Examen ſtehen, Abſchluß des Studiums wichtiger ſei als Hilfsdienſt. Andere Studierende ſind ſelbſtverſtändlich, ſoweit irgend möglich, in den Hilfsdienſt eingetreten; aber es gelang ihnen in vielen Fällen, Hilſsdienſt und Studium zu verbinden. Freilich, das koſtet doppelte Arbeit. Da iſt jetzt mehr als einer, der des Vormittags, vielleicht gar auch noch am frühen Nachmittag in einem der Dörfer in der Amgegend von Gießen des Amtes als Lehrer der Schule waltet, und der nachher in angeſtrengtem Fußmarſch oder mit der Bahn der alten Muſenſtadt zuſtrebt, um in den Abend⸗ ſtunden ein paar Vorleſungen zu hören und ein Seminar mitzumachen. Ferner gibt es Kommilitonen, die für den Hilfsdienſt ſo wenig wie für den Waffendienſt in Frage kommen, weil die Körperkraft weder für dieſen noch für jenen ausreicht. Kriegsbeſchädigte haben wir jetzt auch in Gießen in nicht ganz kleiner Zahl! Die ſtudierenden Frauen endlich füllen manche Lücken, die ſonſt allzu klaffend hervor⸗ träten.

Klein bleibt trotz allem die Zahl unſerer Hörer. Natürlich ſind die Vorleſungen verſchieden beſucht. Es gibt ſolche, die auch jetzt noch keine ganz geringe Hörerzahl aufweiſen. Da ſpielt eben der Anterſchied der Fächer ſeine Nolle. Aber in vielen Auditorien ſind die Bänke nur ſehr ſchwach beſetzt. Zahlen von zwei Hörern oder gar von einem ſind keine Seltenheit. Die wenigen, die ſolche Vor⸗ leſung hören, habens nicht leicht. Sie müſſen immer zur Stelle ſein, wenn ſie nicht den Dozenten im Stich laſſen oderden Mithörer in Verlegenheit bringen wollen. So entwickeln ſie denn einen unheim⸗ lichen Fleiß. Erſt recht gilt das von den Seminarbeſuchern. Sie müſſen immer vorbereitet ſein, immer Rede und Antwort ſtehen. Hoffen wir, daß auch der Gewinn, den ſie ziehen, doppelt ſo groß iſt wie ſonſt!

Die Wirkung des Fleißes bleibt jedenfalls nicht unſichtbar. Auch im dritten Kriegsjahr ſind an der Ludoviciana Examina gemacht worden. And nicht einmal ſchlechte! Hier und da hat auch noch einer ſich den Doktorhut geholt. Anter denen, die ſo ihre Studien zum Abſchluß gebracht haben, ſind auch Feldgraue geweſen. Es iſt wahrhaftig keine leichte Sache, einen längeren Heimatsaufenthalt, der ja doch in der Regel nur durch Geſundheitsſchädigung hervorgerufen iſt, zur Auffriſchung der Kenntniſſe, zur Herſtellung einer Examens⸗ arbeit und endlich zum nötigen Examen ſelber zu benutzen. Es iſt ein ſehr gutes Zeichen für die Kämpfer dort draußen, daß ihrer nicht

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