Die Ludoviciana im Jahre 1917.
„Die iſt es der Ludoviciana im Jahre 1917 ergangen? Ich gehe gewiß nicht fehl, wenn ich annehme, daß alle Empfänger un⸗ ſerer Weihnachtsgabe ſich für dieſe Frage intereſſieren. Zwar hat manch einer unter den im Felde Stehenden gelegentlich eines Arlaubs einen Blick in die Näume der Aniverſität geworfen; nicht wenige haben auch die Gelegenheit wahrgenommen, nach alter Weiſe ein⸗ mal ein Kolleg zu hören. Aber ein ganzes Bild vom Leben der Aniverſität in dieſer Zeit haben ſie ſich doch kaum machen können. So mag denn eine kurze Schilderung die Fragen beantworten, die unſere Kämpfer im Felde etwa auf dem Herzen haben.
Das wichtigſte iſt dies: Die Aniverſität lebt nach wie vor. Oft ſind wir mit der Frage beſtürmt worden, ob ſie ihre Räume ſchließen werde. Beſonders als das Geſetz über den Vaterländiſchen Hilfsdienſt erlaſſen war, wollten ſich die Beſorgniſſe in dieſer Hin⸗ ſicht nicht zur Ruhe geben. Hunderte unſerer Kommilitonen ſtehen im Felde; wenn nun die letzten noch dem Hilfsdienſt zuſtrömten, wie ſollten Vorleſungen und Seminare ihre Beſucher finden? Aber die Beſorgniſſe ſind unbegründet geweſen. Die Behörden waren einſichtig genug, um der Aniverſität die größere Zahl ihrer Lehrer zu belaſſen. Hörer aber fanden ſich nach wie vor, ohne daß deshalb die patriotiſche Hilfsdienſtpflicht vernachläſſigt worden wäre. Die Militärbehörde erkannte ſelber an, daß dem Staat daran liegen müſſe, in den Jahren nach dem Kriege Nachwuchs an Beamten zu bekom⸗ men. So gab ſie die Parole aus, daß für die älteren Semeſter, die
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