„Wem ſoll der erſte Dantk erſchallen? Dem Gott, der groß und wunderbar, aus langer Schande Nacht uns allen in Flammen⸗ glanz erſchienen war.“ Wie hat er auch dieſes Mal„unſerer Feinde Trotz zerblitzet und unſre Kraft uns ſchön erneut“! And nun die dritte Strophe:„Des Vaterlandes Majeſtät, Verderben allen, die es höhnen, Glück dem, der mit ihm fällt und ſteht!“ And die Bilder all der Gefallenen, der Jünglinge, die„um den hohen Tod geworben haben“, ſtehen vor der ergriffenen Seele.
Aber nun ſtockt der Gedanke. Können wir das Folgende auch noch ſingen? O du mein Deutſchlandl Wie ſah dein Sänger dich in ſeinem hochfliegenden Idealismus durch die Weltgeſchichte ſchreiten? „Es geh' durch Tugenden bewundert, geliebt durch Redlichkeit und Recht, ſtolz von Jahrhundert zu Jahrhundert, an Kraft und Ehren ungeſchwächt.“— Geliebt durch Redlichkeit und Recht?!— Iſt das nicht der reine Hohn? Sind wir denn heute nicht das beſtgehaßte Volk der Erde? Wer liebt uns denn? Wohin wir blicken, begegnen wir dem Haß, der aus dem Neid und aus der Furcht geboren iſt. Selbſt die, die mit uns gehen, achten uns wohl, achten uns vielleicht gewaltig, aber lieben—?! Geben wir es ruhig zu, wir haben uns in den letzten Jahrzehnten, ſeit wir ein einig Volk geworden ſind, um die Liebe unſerer Nachbarn und Geſchwiſter in der großen Völker⸗ familie auch nicht ſonderlich bemüht. Anſere Gaben und Kräfte haben wir brauchen lernen, und zu der inneren Freiheit baben wir uns die äußere Freiheit unſerer Selbſtbeſtimmung als Volk, die Ellbogenfrei⸗ heit für die Stellung unſeres Volkes in der Welt errungen. Mit ſolchem Tun erwirbt man ſich keine Liebe. Einen anderen Weg hat die Ent⸗ wicklung des deutſchen Volkes eingeſchlagen, als ihn Arndt vor hundert Jahren träumte: nicht in das Reich der reinen Gedanken und der idealen Forderungen, ſondern in die harten Kämpfe wirtſchaftlicher Notwendig⸗ keiten hinein. Aber wer möchte zweifeln, daß der alte Feuergeiſt an dieſem andersartigen Aufſchwung ſeines Volkes nicht mit der gleichen Begeiſterung ſeiner glühenden Vaterlandsliebe teilgenommen haben würde? Wie ſteht er heute mitten im Waffenklirren unſerer Zeit mit ſeiner gewaltigen Rede:„Die Freiheit! Deutſcher Männer Weide! Am hellſten ſolls geklungen ſein!“ Iſt es nicht die gleiche Freiheit, um die auch heute der Kampf geht, der Kampf gegen fremde An⸗ maßung und Bedrückung? Iſt es nicht die Freiheit, um die Arndt und ſeine Zeitgenoſſen gekämpft, und die ſie nicht erſtritten hatten, — um die heute noch einmal gekämpft wird und wahrlich— das
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