Druckschrift 
Weihnachtsgruß der Universität Gießen an ihre Studenten im Felde / [Großherzogliche Hessische Ludwigs-Universität zu Gießen; die Zeichnungen sind von Professor Otto Ubbelohde]
Entstehung
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Nicht vergeſſen ſoll es Döbeln werden, daß er auch in dem Kriege von 1813 eine rühmliche, wenn auch nur kurze Rolle geſpielt hat. Als Generalleutnant war er zeitweilig Oberbefehlshaber der ſchwediſchen Truppen in Pommern und Mecklenburg. In dieſer Eigenſchaft ſchickte er Truppen gegen Davout zum Entſatze Ham⸗ burgs. Aber er hatte damit die erteilten Befehle überſchritten. Bernadotte, der ſchwediſche Kronprinz und Oberbefehlshaber der verbündeten Nordarmee, hatte höchſtens eine Demonſtration erlaubt. Als dieſer im Mai eintraf, wurde Döbeln vor ein Kriegsgericht geſtellt und zum Tode verurteilt, doch wurde die Strafe in ein Jahr Feſtungshaft verwandelt, und Döbeln behielt ſeinen Rang und die damit verbundenen Einkünfte und Würden.

Zum Schluſſe möchte ich noch ein paar Worte aus der An⸗ ſprache anführen, mit der ſich Döbeln im Herbſte 1809 von den

Keſten des finniſchen Heeres verabſchiedete, lauter Leuten mit abge⸗ nutzten, zerlumpten Kleidern, abgezehrten Leibern, pulverbeſpritzten, ſchwarzbleichen Geſichtern, zerſchoſſenen und verſtümmelten Gliedmaßen:

Finnen! Brüder!... Ihr kennt die vielfältigen Launen des Menſchenherzens, ſeine Neigung, plötzlich Ziele zu wählen, die es niemals zu vergeſſen glaubt; aber kaum ſind einige Wochen verſloſſen, ſo hat die Anbeſtändigkeit eine andere Wahl getroffen. Denn die Zeit verändert Alles mit ihr vergißt man Alles. Doch verſichere ich Euch, und Ihr ſelbſt werdet das finden, daß die Bande, die durch Kampf, Gefahren, Blut und Tod zwiſchen Kriegern geſchloſſen werden, ſich niemals löſen. So ſeid Ihr und ich der gegenſeitigen Liebe gewiß; denn Kriegerbrüderſchaft dauert die ganze Lebenszeit aus.

Könnten dieſe Worte mit blutigen Tränen aus meinen Augen beſiegelt werden, ſo ſollten ſie überſtrömen und jeder Tropfen Euch meiner Achtung, meiner Freundſchaft verſichern.

Ihr, liebe Kommilitonen, die Ihr im Felde ſeid, werdet die Wahrheit dieſer Worte über die im Kriege geſchloſſene Kamerad⸗ ſchaft aus eigner Erfahrung beſtätigen können. Möge Euch dieſe Kameradſchaft all die ſchweren Stunden, die Euch noch bevorſtehen, erleichtern; möge Euch aber vor allen Dingen bald vergönnt ſein, ſiegreich heimzukehren und Euch wieder den friedlichen Beſchäftigungen zu widmen, denen Euch der Krieg nun ſchon ſo lange entzogen hat.

Mit dieſem Wunſche grüße ich Euch im Namen der Philoſo⸗ phiſchen Fakultät als deren derzeitiger Dekan.

Dr. Friedrich Engel Dekan der Philoſophiſchen Fakultät. 14