Ihr, liebe Kommilitonen, die Ihr zu den Jüngern der Naturwiſſenſchaften gehört, könnt aus der Beobachtung der Natur leicht die Richtſchnur für die richtige Stellungnahme zu dem gewaltigen Ningen unſeres Volkes ſinden. Denn gewaltige Natur⸗ kräfte ſind es, die in dem Ringen der Völker aneinanderprallen, die ſich der Volkskraft nur bedienen zur Erreichung ihrer Ziele. Ein Ningen zwiſchen Gott und Teufel, wie es Luther nennen würde.
In der Entwicklungsgeſchichte ſehen wir immer höhere Formen der Entwicklung die niedriger ſtehenden verdrängen. Vererbung und Anpaſſung bringen immer neue Arten hervor, die ſich nur im Kampfe gegen die vorhandenen durchſetzen und als die Höherſtehenden und Lebensfähigeren erweiſen können. Bittere Kämpfe verdrängen das Minderwertige und vernichten es ſchließlich.
Aber auch im beſtehenden Leben ſehen wir überall Kämpfe. Tier⸗ und Pflanzenwelt, ja ſelbſt die anorganiſche Natur ſind er⸗ füllt von oft ſtillen, darum nicht weniger erbitterten Kämpfen. Selbſt jedes Einzelleben muß ſich im Kampfe durchſetzen unter Ver⸗ nichtung anderer: Leben heißt töten.
Der uns aufgezwungene Krieg iſt nichts anderes als der bittere Kampf der Minderwertigen gegen den Höherſtehenden. Mit ſtolzem Herzen dürfen wir es erkennen, deutſche Leiſtungen, deutſche über- legenheit auf faſt allen Gebieten menſchlicher Tätigkeit, und nicht zuletzt in unſerer Wiſſenſchaft, haben das beſtorganiſierte Staats⸗ weſen der Welt, Deutſchland, zum Gegenſtand des Haſſes und des Neides gemacht. Nun wollen ſie, die uns in unſeren Leiſtungen nicht erreichen, geſchweige denn überflügeln können, uns durch Gewalt vernichten.
And nie in abſehbarer Zeit kann der Kampf zwiſchen den Völkern aufhören. Kein Völkerrecht, kein erträumter Völkerbund kann das verhindern. Wer das Völkerrecht wahren will, muß die Macht haben, es zu ſchützen. Wer ſich nicht wehrt, muß erliegen. Der Stärkere ſetzt ſich an ſeinen Platz. Natur⸗ und Menſchheits⸗ geſchichte lehren das Gleiche: ſtets muß Kampf ſein, der die Vor⸗ bedingung der Entwicklung zu höheren Stufen iſt.—
Warum ich Euch ſo herbe Lehren zu Weihnachten ſchreibe? Weil Ihr nie mehr ein frohes Weihnachten nach rechter deutſcher Art feiern könnt, wenn nicht unſer Volk ſich geſchloſſen zu männ⸗ licher, kraftvoller Geſinnung durchringt, weil alle unſere Siege, wenn fie uns nicht vermehrte Macht und Erſatz für die Kriegsſchäden
9


