Liebe Kommilitonen!
chon drei Jahre ſind ſeit den denkwürdigen Auguſttagen des
Jahres 1914 dahingebrauſt, und immer noch fehlt das ſtark pulſierende Leben in den Hörſälen, Inſtituten und Kliniken. Verwaiſt ſind viele Aſſiſtentenſtellen, und ſchwerer Ernſt laſtet auf der Arbeit der Daheimgebliebenen. So gerne ſie auch von ihnen geleiſtet wird,— wiſſen wir doch, wie ungleich Schwereres und wie Furchtbares vom Heere im Kampfe gegen die tückiſchen Feinde und die Anbilden der Natur ertragen werden muß,— ſo innig wünſchen wir die Rückkehr der lieben Mitarbeiter und Kommilitonen herbei, und hoffen, daß ein ſiegreicher Abſchluß des gewaltigen Völkerringens uns in den Stand ſetzen wird, mit friſchem Mute an die Ausbeſſerung der Schäden des Krieges zu gehen und an unſerem Teile zu immer herrlicherer und immer ſchönerer Blüte des größeren Vaterlandes beizutragen.
Hat unſer Schwert aber auch gezeigt, daß es in den langen Friedensjahren nicht ſtumpf geworden, und haben, die es führen, auch bewieſen, daß die Tugenden und Kräfte der Ahnen in ihnen leben, und herrlicher vielleicht, als je ein Geſchlecht zuvor, ſich in unerhörten Gefahren und Nöten bewährt— mit unſeren Waffen⸗ erfolgen allein iſt es nicht getan. Es gilt auch, die Köpfe und Herzen des Volkes zuſammenzufaſſen zu einmütigem Siegeswillen, ſich nicht verblenden zu laſſen von hochtönenden Schlagworten wie Demokratie, Völkerverbrüderung, Abrüſtung. Neid und Haß haben uns über⸗ fallen, weil ſie glaubten, in grauſer Amklammerung mit übermacht uns überwinden zu können. Wenn es gleißneriſch über den Kanal und den Ozean von neuem Völkerrecht herüberſchallt, ſo wollen wir uns ſtets vor Augen halten, daß es kein ſelbſtſüchtigeres, brutaleres und von jedem Bedenken in Verfolgung ſeiner herrſchſüchtigen Ziele freieres Volk gibt, als die Angelſachſen, daß die Baralong⸗ mörder, die Peiniger von Dahomey, die unmenſchlichen Mädchen⸗ ſchänder und Kindermörder von Oſtpreußen dem deutſchen Michel Gift ins Ohr träufeln wollen, um ihn, den ſie mit Waffengewalt trotz aller Abermacht nicht beſiegen können, durch inneren Hader und weltfremde Vertrauensſeligkeit zu Fall zu bringen.
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