keit verkennt Ihr ja doch nicht. Mein ernſtes Wort ſoll anderen Dingen gelten. Ich möchte Euch nehmen, als hättet Ihr die Hinder⸗ niſſe ſchon paſſiert, als hätten ſich die Pforten der Hörſäle und der aus guten Gründen ſchlecht beleumdeten„kleinen Aula“ hinter Euch geſchloſſen, als ſtündet Ihr in freigewähltem Beruf, in Amt und Würden. Das Können will ich als ſelbſtverſtändlich vorausſetzen. Vom Geiſte will ich reden, in dem Ihr an Eure Aufgaben heran⸗ treten ſollt.
Ihr werdet, ſo Gott will, in einem neuen, weiten, freien Vater⸗ lande wirken, das, nicht zuletzt durch Euer Verdienſt, mächtig daſteht im Chor der Völker, gewillt und imſtande, ſich in den Dienſt Leben und Segen ſpendender Kräfte zu ſtellen. Wie oft haben wir es geleſen und haben es beim Leſen mitgeſprochen, daß unſer Volk kein Herrenvolk, ſondern ein Führervolk ſein ſoll und will. Was nun von unſerem Volk im Verhältnis zu anderen Völkern gilt, das ſoll auch von Euch gelten im Verhältnis zu Eurem eigenen, zu unſerem Volk. Ihr ſollt keine Herren ſein, ſondern Führer. Mit unerbitt⸗ lichem Ernſt ſoll es vor Eurer Seele ſtehen: Tut ab alles, was von Herrenweſen in Euch iſt, reißt es aus mit Stumpf und Stil, durch⸗ ſchaut es in ſeiner Blöße, in welch gleißneriſchem Gewande es Euch nahen mag. So vertrauensvoll unſer Volk aufſchaut zu ſeinen Führern, ſo ſehr haßt es die Herren. And das gerade iſt ja Gottes Segen an Euch geweſen in dieſer harten, großen Zeit, daß Ihr da draußen mit dem Volk zuſammen waret, daß Ihr Freud und Leid, Mühe und Arbeit, Scherz und Erholung mit ihm teilen, daß Ihr in ſeine Seele ſchauen durftet. Anter allen Erkenntniſſen, die wir brauchen im neuen deutſchen Vaterland, ſcheint mir dieſe die wich⸗ tigſte: Was hülfe es dem Deutſchen, wenn er die ganze Welt ge⸗ wönne und könnte den Zugang nicht finden zum eigenen Volk?!
Das walte Gott. And ſchenke Euch eine Weihenacht voll inneren Segens, voll ſtolzer Hoffnung auf Sieg und Frieden, und voll Dankbarkeit.
D. Dr. Guſtav Krüger Dekan der Theologiſchen Fakultät.


