Liebe Kommilitonen!
un geht es ſchon ins vierte Jahr, daß wir Euch draußen wiſſen. b Als wäre es geſtern, ſo ſteht uns der Tag vor der Seele, an dem das eine Wort Krieg uns Alle durchzuckte. über drei Jahre ſind ſeitdem vergangen. Von denen, die im Sommer 1914 unſere Hörſäle füllten, hat ſo mancher ſein junges Leben laſſen müſſen. So mancher iſt wund und ſiech aus dieſem entſetzlichſten aller Kriege heimgekehrt. And Ihr da draußen, Ihr harrt aus in Froſt und Schnee, bei Sturm und Regen, in Trommelfeuer und Schanzarbeit. Mit Euren Leibern deckt Ihr uns und Euer Vaterland. And unſere Dankesſchuld wächſt täglich und ſtündlich. Wenn Jemand Opfer bringt in dieſem Krieg, ſo ſeid Ihr es, iſt es unſere deutſche Jugend.
Aber bringt Ihr nur Opfer? Ich meine: Ihr, denen ein gütiges Geſchick es vergönnen wird, die Heimat wiederzuſchauen, habt Ihr wirklich nur Opfer gebracht? Bringt Ihr nicht auch Gewinſte heim? Seid Ihr nicht reich geworden an äußerem und innerem Erleben? So reich, ſo ſtark ſind die Eindrücke, daß Euer junges Leben ſie kaum zu faſſen vermag. And mit dieſen Eindrücken, dieſen Erfahrungen, dieſen Erlebniſſen, ſollt Ihr herantreten an die gewaltigen Aufgaben, die Eurer harren. Denn Ihr ſeid ja unſere Hoffnung, Ihr ſollt das Salz der deutſchen Erde werden. Ob Ihr da draußen als einfache Musketiere im Schützengraben liegt oder ſchweren Arbeitsdienſt verrichtet, ob Ihr als Anteroffiziere oder Leutnants Befehle austeilt oder empfangt: Offiziere ſeid Ihr alle, ſollt Ihr ſein, Ihr deutſchen Akademiker, das kommende Geſchlecht bedarf Eurer Führung. So gilt es, ſolchen hohen Ziels ſich wür⸗ dig zu erweiſen.
Wie könnt Ihr das? Wenn erſt der Friede geſchloſſen ſein wird, ſo wird unſer Los uns nicht als reife Frucht zufallen. Harte, angeſtrengte Arbeit werden wir daran ſetzen müſſen, Ihr zumal. Ihr ſeid reifer und älter geworden im Laufe weniger Jahre, als Ihr es ſonſt in dreifach langer Friſt geworden wäret. Daß Ihr noch wieder lernen, noch einmal die Bänke drücken ſollt, das mag Euch ſchwer eingehen. Ich denke auch nicht daran, Euch zum Weihnachtsfeſt dieſen unerbaulichen Gedanken auszumalen. Die bittere Notwendig⸗
4


