Weihnachtsgrüße.
Liebe Kommilitonen!
Ae Ludwigs⸗Aniverſität ſendet Ihnen allen, die Sie im Felde ſtehen, in dieſem kleinen Weihnachtsheft einen herz⸗ lichen Weihnachtsgruß. Litteris et armis, ad utrumque parati. Nach dieſem unſerem Wahlſpruch leben wir jetzt alle im Dienſte des Vaterlandes, ob wir dem Frontheere oder dem Heimatheere ange⸗ hören. Viele von uns heute in der Heimat Tätigen waren mit Ihnen oder vor Ihnen auch draußen. So wiſſen wir wohl, was es heißt, draußen Weihnachten und Neujahr feiern. Was man draußen ungern entbehrt, ſind ja nicht„die guten Tage“ um Weihnach⸗ ten. Auch trauert unſer Herz nicht ſo ſehr um die Anzahl der Ker⸗ zen am Weihnachtsbaum, deren wir draußen wie daheim 1917 nicht ſo viele anzünden, wie in Friedenszeiten. Was Sie aber draußen entbehren müſſen, ſind liebe Hände, die Sie in dieſen Tagen nicht faſſen, und liebe Augen, die Sie in dieſen Tagen nicht ſchauen können. Allein die treue Kameradſchaft kann uns am Weihnachtstage die Liebe erſetzen, die uns ſonſt umgab. Auf dieſe treue Kamerad⸗ ſchaft, liebe Kommilitonen, können Sie aber auch bei dem Heimatheer rechnen. Wir danken Ihnen für alle Mühſal und Entbehrungen, wir trauern mit Ihnen um jeden lieben heim⸗ gegangenen Kameraden. Wir ſehen aber auch freudig mit Ihnen in unſeren glänzenden Erfolgen in Italien die Saat des Friedens und einer ſchönen Zukunft Deutſchlands keimen. Wir ſind mit unſeren Gedanken auch am Weihnachts⸗ und Neujahrstage in treuer Kameradſchaft bei Ihnen, und wir wünſchen mit Ihnen bald den Tag zu erleben, an dem wir dieſe Kameradſchaft Hand in Hand und Auge in Auge in unſerer Aula bei der Friedensfeier erneuern können.
Ein geſegnetes Weihnachtsfeſt und ein glückliches neues Jahr wünſche ich Ihnen allen im Namen der Ludoviciana.
Dr. Paul Giſevius Rektor der Landes⸗Aniverſität.


