unſer Haterland am Boden liegend zu finden und ratlos da⸗ zuſtehen, wie ihm wieder aufzuhelfen ſei? Es ſchnürt mir das Herz zuſammen und verſetzt mir die Stimme, wenn ich das ausſpreche, ausſprechen muß: denn Wahrheit will keinen Zwang leiden.
Aber, meine lieben, jungen Freunde: es iſt nicht gut, wenn Euer luge nur auf dieſem einen Worte Opfer ruht, es ſei denn, daß Ihr Euch täglich, ſtündlich die Heiligkeit dieſes Opfers in's Gedächtnis rufen wollt. Ich frage Euch: habt Ihr wirklich nur Opfer gebracht in dieſem Kriege? Brachtet Ihr nicht auch Gewinnſte heim? Seid Ihr nicht reich ge⸗ worden an äußerem und innerem Erleben? So reich, ſo ſtark ſind die Eindrücke, daß Euer junges Leben ſie kaum zu faſſen vermag. Wie weit iſt doch Euer Geſichtskreis geworden, ſo weit, daß Mancher, der in der Heimat blieb, Euch darum be⸗ neiden dürfte. Ihr habt, wie einſt Odyſſeus, unnennbare geiden eroͤuldet, aber Ihr habt auch vieler Menſchen Städte geſehn und Sitte gelernet. Ihr habt tiefe Blicke tun dürfen in allerhand menſchliches Weſen rings um Euch, im engeren und weiteren Kreis der Kameraden, bei Freund und Feind. Und mit dieſen Eindrücken, dieſen Erlebniſſen, dieſen Erfah⸗ rungen ſollt Ihr nun herantreten an die gewaltigen Fufgaben, die Eurer harren. Denn Ihr ſeid unſere Hoffnung, Ihr ſollt das Salz der neuen deutſchen Erde werden. Ob Ihr da dͤraußen als einfache Musketiere im Schützengraben lagt oöer ſchweren rbeitsdienſt verrichtetet, ob Ihr Befehle austeiltet oder empfinget: Offiziere ſollt Ihr alle ſein, Ihr deutſchen kademiker, das kommende Geſchlecht bedarf Eurer Führung.
Dieſe Worte habe ich Euch ſchon einmal zugerufen. Sie ſtehen in dem Gruß, den unſere Univerſität Euch vorletzte weihnachten in's Feld ſandte. Flls ich ſie niederſchrieb, da lebte ich der Hoffnung, daß Ihr nach Eurer Rückkehr in einem neuen, weiten, freien Vaterlande wirken würdet, das, nicht zuletzt oͤurch Euer Verdienſt, mächtig daſtehen ſollte im Chor der Völker, gewillt und imſtande, ſich in den Dienſt Leben und Segen ſpendender Kräfte zu ſtellen. Dieſe Hoffnung haben wir begraben oder ſo weit zurückſchneiden müſſen, daß das,
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